Zeitung Heute : Der Tagesspiegel

Der Tagesspiegel

Von Thomas Loy

Unter den drei Milliarden Frauen die eine herauszugucken, die die Einzige werden könnte, ist schon… Mann-o-Mann! Also, das ist wirklich verdammt komplex. Da findet eher ein Fisch sein Fahrrad wieder und dieses blöde Kamel… aber da sind wir schon mitten drin: Die Konzept-Partys kommen und gehen – die Fisch-sucht-Fahrrad-Party bleibt. Acht Jahre schleicht sich die etwas krude Marke schon durch das Berliner Nachtleben und ist einfach nicht totzukriegen.

Das Konzept funktioniert ungefähr so: Der Mensch in seiner Vereinzelung sucht und sucht und sucht. Dann gibt er endlich eine Anzeige im Stadtmagazin Tip auf, erhält eine Registriernummer und stürzt sich in die namenlose Masse seiner ebenfalls suchenden und registrierten Mitmenschen. Was er nicht weiß: Die erfolgreichste Single-Party wird von zwei Nicht-Singles gemanagt.

Elke Hemmen und Stephan Lehmann sind verheiratet und damit eindeutig vergeben und somit eigentlich völlig ungeeignet für diesen Job. Sie machen ihn trotzdem, denn als sie vor acht Jahren anfingen, waren sie noch echte Singles, und wie sich das so anfühlt, diese schmerzvolle Freiheit, das vergisst man nimmermehr. Ihr Erfolg? „Gute Gäste“, sagt Elke Hemmen und wiederholt es auch gern, wenn der Zuhörer leicht ungläubig wirkt.

Pöbler? Grabscher? Schläger? Anmacher? Nörgler? Glotzer? Bei Fisch-sucht-Fahrrad gänzlich unbekannt. Alles nette Normalos. Eine „kommunizierende Party“, sagt Hemmen dazu. Ohne Zwang zur Selbstdarstellung oder peinliche Verkuppelungsaktionen vor Publikum, Bei Fisch-sucht-Fahrrad muss man/frau nicht mal fürchten, von fremden Menschen angesprochen zu werden.

Die Vorauswahl läuft über die Anzeigen im Tip. Auf der Party können Nachrichten hinterlegt werden, wo man sich wann zu treffen wünscht. Ob der Angesprochene reagiert, bleibt ihm überlassen. Anfangs lief die Party monatlich, inzwischen alle 14 Tage. Idee und Konzept kommen aus Frankfurt (Main), und niemand wusste, ob der Berliner Normalo nicht doch anders drauf ist als seine hessische Ausführung.

Erst trauten sich die Menschen auch gar nicht. Da kamen Szenegänger, die mal wieder was Neues wollten. Und die Blender mit Jaguar und Brioni-Anzug. Inzwischen hat sich die Kleiderordnung entspannt. „Jeder kann sein wie er möchte.“ Rund 1500 Menschen treffen jedes Mal aufeinander. Elke Hemmen ist fast immer dabei, kontrolliert, ob der Amüsierlevel erreicht wird und hilft besonders kontaktscheuen Gästen schon mal über die letzten Hürden hinweg.

„Bei Fisch“ treffen sich inzwischen ganze Cliquen, sagt Hemmen. Leider gibt es keinerlei Erfolgsstatistik. Gelegentlich flattern Heiratsanzeigen oder Babyfotos von Ehemaligen ins Haus.

Der Name der Party ist übrigens ein Nachhall der Frauenbewegung: Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad, sangen die Amazonen. Dann forderte Ina Deter: Neue Männer braucht das Land. Dann waren alle Frauen Single und voll berufstätig und immer noch unglücklich. Und dann kamen die Wende und die Party und alles wurde gut.

Die nächste Party: 12. April, um 21 Uhr, im Metropol am Nollendorfplatz, Eintritt: 8 Euro.

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