Zeitung Heute : Der Teufel steckt in Details

Bei Andreea Vrajitorus Label Adddress können selbst Puffärmel cool wirken

Maren Sauer

Meist sind es Kleinigkeiten, die das Besondere vom Herkömmlichen unterscheiden, davon ist Andreea Vrajitoru fest überzeugt. „Deshalb war es ein langer Prozess, bis ich endlich den richtigen Namen für mein Label gefunden hatte“, sagt die Diplom-Designerin. Den Bezug zur Mode sollte er erkennen lassen, prägnant und international sein und gerne etwas mehrdeutig. Die Synthese aus „add“ (hinzufügen) und „dress“ (Kleidung) erfüllte schließlich die Kriterien der 26-Jährigen, spiegelt aber vor allem ihren Spaß am spielerischen Arrangieren wider.

Der nämlich ist charakterisch für die textilen Kreationen der gebürtigen Rumänin, die 1990 nach Berlin kam und sich im Herbst 2003 mit dem Label „adddress“ selbstständig machte. Etwa 50 Teile, allesamt bis Größe 42 erhältlich, umfasst die aktuelle Frühjahr-/Sommer-Kollektion, mit der Andreea Vrajitoru erneut zu einer Zeitreise durch eine Vielzahl modischer Strömungen einlädt.

Verspielt wirken die floralen Muster, die Schnitte kommen dagegen nüchtern wie Stewardessen-Uniformen daher. Viele Röcke sind vom Kilt inspiriert, aber durch modernes Material verfremdet. „Die viktorianische Zeit, die zwanziger und sechziger Jahre haben eindeutig den stärksten Einfluss auf meine Arbeit“, erklärt sie. Manche Merkmale dieser Epochen finden sich originalgetreu in den „adddress“–Modellen wieder, zumeist jedoch liefern sie Impulse für attraktive Details wie Stehkragen mit Rüschen oder lange Puffärmel. Andreea Vrajitoru beschränkt sich nicht auf das Abbilden von Relikten längst vergangener Zeiten, sondern überträgt diese in die Gegenwart, reichert sie mit eigenen ästhetischen Vorstellungen und Ideen an und lässt einen ganz neuen Stil entstehen, der Lässigkeit und Eleganz verbindet.

„Dass meine Sachen vielseitig kombinier- und tragbar sind, ist mir am wichtigsten“, sagt die FHTW-Absolventin. Überdies legt sie großen Wert auf hochwertige, langlebige Materialien und Verarbeitungstechniken sowie eine moderate Preisgestaltung. „Obwohl ich nur in kleinen Stückzahlen produziere, sollen meine Sachen für jede Frau erschwinglich sein“, lautet ihre Devise. Zielgruppe sind eher die Jüngeren. Überdies plant sie die modische Eroberung einer weiteren Gruppe: die der Männer. Noch macht dieses Segment lediglich ein Fünftel ihrer gesamten Kollektion aus, doch zukünftig soll es, als Ergänzung zur Frauenlinie, stetig anwachsen. Damit sich auch Männer überzeugen können, dass „adddress“ eine gute Adresse für schicke Outfits ist.

Steinstraße 4 (Mitte)

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