Zeitung Heute : Der Tierfreund macht das Licht aus

Nächtliche Beleuchtung im Garten kann Insekten vom Kurs abbringen

Dagmar Thiel
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Sonne, Mond und Sterne? Lampen im Garten sind meist heller, und das bringt viele Tiere durcheinander. Naturschützer schätzen, dass...Gardena

Bodenlampen im Gartenweg, Schwimmkugeln im Teich, Strahler für Pflanzen und Fassaden: Viele Gartenbesitzer setzen nachts den Garten in Szene. So richtig dunkel wird es fast nirgendwo mehr. Vor allem Straßenlaternen, Leuchtreklamen, Skybeamer von Diskotheken, aber auch illuminierte Gärten tragen zur Erhellung der Nacht bei. Eine solche sogenannte Lichtverschmutzung ist nach Meinung von Astronomen und Ökologen ein größer werdendes Problem.

„Lichtverschmutzung ist die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Licht in der Atmosphäre gestreut wird“, erklärt Andreas Hänel, Astronom aus Osnabrück und Sprecher der Arbeitsgruppe „Dark Sky“ der Vereinigung der Sternenfreunde.

Die helle Nacht hat Konsequenzen für Mensch und Natur. Es sind nicht nur die Motten, die das Licht umkreisen und jede Nacht an Lampen verenden. Einige Vogelarten geraten durch hell erleuchtete Hochhäuser völlig aus der Orientierung und knallen gegen die Betontürme: „Towerkill“ nennt die Wissenschaft dieses Phänomen.

„Tagaktive Tiere sowie Menschen brauchen die Dunkelheit zum Schlafen, Entspannen und Regenerieren. Nachtaktive Tiere brauchen sie für die Nahrungssuche und manche, zum Beispiel die Glühwürmchen, sogar für die Fortpflanzung“, erklärt Hänel. Pflanzen benötigten den Rhythmus darüber hinaus für die Photosynthese. „Die Zerstörung der Nacht hat Folgen für das Ökosystem“, sagt auch Carsten Wachholz, Referent für Energiepolitik und Klimaschutz beim Naturschutzbund NABU in Berlin. Seiner Ansicht nach spielen auch Haus und Garten bei der Lichtverschmutzung eine Rolle. Das zeige sich zum Beispiel am großen Angebot an Beleuchtungsmitteln in Baumärkten und Gartencentern. Dabei sei es gar nicht nötig, komplett auf die Beleuchtung des Gartens zu verzichten. „Jeder kann die Auswirkungen auf Natur und Tiere aber so gering wie möglich halten“, meint Wachholz. Von allen Tierarten werden die Insekten – und hier die nachtaktiven Schmetterlinge – am stärksten durch die nächtliche Beleuchtung beeinflusst.

Warum Lindenschwärmer, Widderchen oder das Kleine Nachtpfauenauge so gerne ins Licht fliegen, ist noch nicht endgültig geklärt. Vermutlich orientieren sie sich am Licht des Mondes und der Sterne. „Lampen sind jedoch meistens heller als das Mondlicht – und genau das bringt die Navigation der Tiere durcheinander“, erklärt Umweltwissenschaftler Wachholz. Insekten umfliegen die Lichtquellen, bis sie an Erschöpfung sterben. Nach Auskunft des Naturschützers betrifft das Unmengen von Arten, die dann in der Nahrungskette und für die Bestäubung von Pflanzen fehlen. „Bis zu 150 Billionen Insekten kommen allein an den Straßenbeleuchtungen in Deutschland pro Jahr zu Tode“, sagt Wachholz. Bei der Illumination von Haus und Garten sollte daher grundsätzlich gelten: Weniger ist mehr. „Wichtig ist es, Leuchtmittel zu verwenden, die kein UV-Licht ausstrahlen“, rät Wachholz. Er benennt eine einfache Faustregel: Generell sind Lampen mit gelblichem Licht für den Garten besser geeignet also solche mit weißem Licht. Vor dem Kauf sollten daher die Informationen auf der Verpackung intensiv gelesen werden. Denn nachtaktive Insekten fliegen besonders auf Quecksilberdampf-Lampen, die viel kurzwelliges, blaues Licht abstrahlen. Natriumdampf-Lampen dagegen leuchten hauptsächlich im langwelligen, gelb-roten Bereich. Dieses Licht nehmen Insekten kaum wahr. „Am besten für den Garten geeignet sind Leuchten mit LED-Technik, sogenannte Leuchtdioden“, sagt Wachholz. Ihr Lichtspektrum enthält gar keinen UV-Anteil. Dadurch werden erheblich weniger Insekten angelockt. LED-Leuchten haben spezielle Lichtwellenbereiche und sind daher sogar mit weißem Licht geeignet.

Andreas Hänel empfiehlt außerdem gezielt gerichtetes Licht, das nicht weit streut. „Kugelleuchten, die in alle Richtungen strahlen, sind Energieverschwender, sie blenden und liefern keine sinnvolle Beleuchtung“, sagt Hänel. Generell sollten Leuchten möglichst gut abgeschirmt sein. Darüber hinaus sind Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren sinnvoll, damit der Garten nicht die gesamte Nacht hindurch erhellt wird.

Gartenbesitzer sollten zudem nur Speziallampen verwenden, die für den Außenbereich geeignet sind. Die Gehäuse müssen staub- und wassergeschützt sein, dann können auch keine Insekten ins Innere der Lampe dringen. (ddp)

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