Zeitung Heute : Der tote Champion

Urban Media GmbH

Wo geboxt wird, da wird gewettet, wo gewettet wird, da wird manipuliert. Blut, Schweiß, Tränen, Geld. Daraus sind die Geschichten über das Boxen gemacht. Auch Regisseur Mark Schlichter bedient sich in „Liebe und Verrat“ (20Uhr15, ZDF) dieser Geschichten. Er variiert sie aber, indem er eine liebende Frau ins Zentrum der Handlung stellt. Sein Film beginnt mit dem Ende: Der junge Boxer liegt angeschossen in einem Auto, am Steuer seine Freundin, die in einer verzweifelten Fahrt zum Krankenhaus versucht, den Freund zu retten. Vergebens, der frisch gekürte Champion stirbt. Ein rasanter Auftakt: Danach geht es zäher weiter. Der tote Boxer wirft viele Fragen auf: Warum lag er im Auto seines Managers? Warum stand der Wagen in einer Kiesgrube? Warum hat die Freundin ihn so schnell gefunden? Darüber grübelt, stets Kaugummi kauend, Kommissar Rehberg (Richy Müller). Immer wieder blickt er in die großen, braunen Augen der trauernden Boxer-Freundin Marie (Alexandra Maria Lara)–und mit ihm der Zuschauer, der alsbald begreift, dass dann jedesmal eine Rückblende ansteht: Erzählt aus der Sicht der Liebenden. Doch Marie scheint etwas zu verbergen. So wie der zwielichtige Manager „ Heinzi“ Grosny. In der Rolle des Abzockers tobt sich Heinz Hoenig so richtig aus. Seine Partner agieren dagegen seltsam verhalten: Richy Müller taut nur in Gegenwart seines „Semmeling“-Partners Hoenig auf. Und Alexandra Maria Lara darf zwar zeigen, was sie kann, muss aber ansonsten hauptsächlich großäugig schauen. Sie alle kommen nicht recht in Schwung, wie die ganze Geschichte. Vielleicht eine neue Art, vom Boxen zu erzählen, aber nicht die spannendste.Iris Ockenfels

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!