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Der Tagesspiegel

Was für ein wundervolles Paar sie sind. Der Vater fast ebenso verspielt wie der Sohn. Für fast jeden Streich seines Sprösslings hat der schnauzbärtige Alte Verständnis. Und die Abenteuer, die die beiden aushecken, hätte wohl auch jeder Leser gerne mal mit seinem Vater erlebt. „Vater und Sohn“ dürfte neben „Max und Moritz“ und dem „Struwwelpeter“ zu den bekanntesten deutschen Bildgeschichten gehören. Gezeichnet hat sie Erich Ohser. Da er wegen seiner kritischen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten aus der Reichspressekammer ausgeschlossen war, veröffentlichte er sie unter dem Pseudonym e.o. plauen. Von 1934 bis 1937 erschien die Serie wöchentlich in der Berliner Illustrierten Zeitung. Ihre Popularität hält dank etlicher Buchveröffentlichungen bis heute an. Der Künstler, aus dessen Feder das liebenswerte Duo stammt, ist dagegen lange Zeit kaum wahrgenommen worden. Das zu ändern, ist das Ziel der Wanderausstellung des Wilhelm-Busch-Museums Hannover, die heute Abend mit geladenen Gästen im Willy-Brandt-Haus eröffnet wird. Ab morgen ist sie für alle Besucher zugänglich. Neben einer umfangreichen Sammlung von „Vater und Sohn“-Geschichten zeigt die Schau, was bisher nur wenigen bekannt war: Politische Karikaturen, die Ohser von 1929 bis 1933 für die sozialdemokratische Zeitschrift „Vorwärts“ zeichnete –und Karikaturen, die er ab 1940 in der von Joseph Goebbels gegründeten Zeitschrift „Das Reich“ veröffentlichte. Zwischen diesen beiden Polen ergibt sich ein tragisches, zwiespältiges Bild des Künstlers. 1944 wurde er wegen lästerlicher Bemerkungen über die Nazis denunziert und verhaftet. Ihm drohte das Todesurteil. Am Tag vor der Verhandlung des Volksgerichtshofes unter Roland Freisler nahm er sich das Leben.lvt

„Vater & Sohn“, Erich Ohser / e.o.plauen, 27. März bis 28. April im Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, dienstags bis sonntags 12 bis 18 Uhr, Einlass aus Sicherheitsgründen nur mit Ausweis oder Führerschein

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