Zeitung Heute : Der Trick der Azteken

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Noch bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts war Zahnpflege im heutigen Sinne weitgehend unbekannt. Mittel zur Reinigung des Mundes – und somit auch gegen Mundgeruch – waren hingegen sehr wohl üblich.

Das Kauen von Pflanzenblättern, Kräutern und Gewürzen war weltweit verbreitet. Der islamische Wissenschaftler alGazzar berichtet im 11. Jahrhundert von einer heilenden Mischung aus Gewürznelken, Zimtrinde, Muskatnuss, Muskatblüten und indischem Aloeholz. Einige dieser Heilmittel – etwa Gewürznelken – werden heute noch angewandt, sind wissenschaftlich als Schmerzstiller anerkannt und finden sich zum Teil als Zutaten in Zahnpasten. Diese Kräuter wurden zwar nicht explizit gegen Mundgeruch eingesetzt, waren aber der allgemeinen Mundhygiene zuträglich und halfen ebenso gegen Zahnbeschwerden.

Nicht selten stand die Mundreinigung in einem religiösen Kontext: Neben dem eigenen Wohlbefinden wollte man der Gottheit gefallen. Von den Azteken ist bekannt, dass sie den Mund bei bakteriellen Erkrankungen mit Eigenurin reinigten, aus anderen Quellen weiß man, dass „Wunderheiler“ bei Munderkrankungen von Milchprodukten abrieten, da diese den Bakterien im Mund einen weiteren Nährboden bereitet hätten.

Häufig wurden Mund und Rachen mit „Parfüms“ ausgespült, um so den Mundgeruch zu überdecken. Manche Gegenmittel, berichtet der Wiener Zahnarzt Johannes Kirchner, waren dabei übel riechender als der eigentliche Mundgeruch.

Allgemein bekämpften die Menschen damals nur die Auswirkungen ihrer mangelhaften Mundhygiene, nicht aber die Ursachen. Mundgeruch war oft nur eine Begleiterscheinung – oft waren die Zähne schon in jungen Jahren ausgefallen, gezogen worden oder verfault. de

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