Zeitung Heute : Der Turnschuh als Kunstobjekt

Warum Ilmia eine sympathische Marke ist

Susanna Nieder

Schuhe sind oft Designerstücke. Modelle von Manolo Blahnik oder Salvatore Ferragamo landen regelmäßig erst an den Füßen schwerreicher Damen und dann im Museum. Schuhe von Ilmia sind ebenfalls Designerstücke, allerdings von einer ganz anderen Sorte.

Schmal sind sie, komplett aus Vollnarbenleder bis auf die Kappenverstärkung aus Gummi und außerordentlich bequem. Und wunderbar: Die Lasche rutscht nicht weg, weil sie an beiden Seiten verstärkt ist. Was Ilmia-Schuhe aber über Tragekomfort, Qualität und Design hinaus sympathisch macht, ist ihre Geschichte.

Im Herbst 2001 fand der Grafikdesign-Student Helge Hansen ein Paar alte Ilmia-Schuhe auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz. Der Turnschuh aus Ostdeutschland gefiel ihm so sehr, dass er seine Diplomarbeit darüber schrieb und zwei Paar anfertigen ließ. Neu zu kaufen gab es sie nicht mehr, denn der Betrieb aus Stadtilm in Thüringen, Gründungsjahr 1898, hatte seine Produktion 1998 einstellen müssen.

Hansen überzeugte seine Frau Carolin und ein befreundetes Paar – alle Grafikdesigner wie er –, zum Designmai 2004 ein Ilmia-Kunstprojekt zu starten. Der grün-weiße Designmaischuh, in limitierter Auflage angefertigt in einem Familienbetrieb in Sachsen-Anhalt, ging weg wie warme Semmeln, und auch ein weiteres Modell fand Liebhaber. Das funktionierte, bis eine deutsche Sportartikelmarke mit Raubtier im Logo wissen ließ, sie habe sich den Ilmia-Seitenstreifen bereits 1992 schützen lassen. Damit war das Kunstprojekt zunächst gestorben.

Nach zehn Monaten Zwangspause ist unter der Regie von Helge und Carolin Hansen jetzt das neue Modell erschienen: cremeweiß, ohne Streifen – den gibt es in Neufassung zur Herbstsaison. Zum Selbstverzieren gibt es drei Filzstifte von Edding dazu.

Ein Paar Ilmia-Schuhe kosten 140 Euro und sind zu haben unter www.ilmia.com.

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