Zeitung Heute : Der Unverstandene

Der Tagesspiegel

München (dpa). Stefan Effenberg hat sich nach dem heftigen Wirbel um seine umstrittenen Äußerungen über Arbeitslose gegen Kritiker verteidigt und einen harmonischen Abschied von der Führungsspitze des FC Bayern München in Frage gestellt.

„Ich möchte das noch einmal herausstellen, denn es liegt mir wirklich am Herzen: Ich habe nicht die Menschen gemeint, die sich wirklich anstrengen. Sondern diejenigen, die einfach Arbeitslosenunterstützung beziehen und sich überhaupt nicht bemühen“, sagte der Kapitän des FC Bayern München in einem Interview der Münchner Tageszeitung „tz“. Er habe in der Angelegenheit viel Unterstützung erfahren, von Leuten auf der Straße oder von „Wirtschaftsbossen“, sagte der Fußball-Profi. „Und glauben Sie mir, es gibt auch im Verein viele, die sagen: Du hast Recht.“

Gleichzeitig deutete Effenberg eine gewisse Enttäuschung an. Angesprochen auf frühere Aussagen, er wolle sich zum Abschied in München mit Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer an einen Tisch setzen und zurückblicken, sagte Effenberg: „Warum soll ich mich noch an den Tisch setzen?“ Er beklagte indirekt Unehrlichkeit in der Außendarstellung des Klubs. Er habe keine Schulterklopfer im Verein oder im Umfeld erwartet, obwohl er viel Zustimmung erfahren habe. „Aber für die Öffentlichkeit wird das anders verkauft.“ Der Profi, der den Weltpokalsieger nach Saisonende verlässt, nahm am Dienstagmorgen wieder am Mannschaftstraining teil, nachdem er am Vortag wegen eines „privaten Termins“ frei bekommen hatte. Vermutlich war Effenberg in Sachen Vertragsverhandlungen unterwegs.

Offiziell hatte der Verein bekannt gegeben, dass Trainer Ottmar Hitzfeld am Donnerstag entscheiden werde, ob Effenberg am Samstag beim VfL Wolfsburg eingesetzt wird. Hitzfelds Entscheidung, ihn nicht für das Bundesliga-Spiel gegen Hertha BSC am vergangenen Wochenende zu nominieren, kann Effenberg „natürlich nicht“ nachvollziehen. Den Rat von Präsident Beckenbauer vom Vortag, nicht nach Wolfsburg zu fahren, offenbar auch nicht. „Ist er der Trainer? Ottmar Hitzfeld muss mir das sagen. Egal ob heute, morgen oder am Donnerstag. Soll ich mich jetzt noch im Training aufdrängen? Bei aller Liebe, aber wirklich nicht.“

Dass der Verein nicht zu ihm stehe, sei geschäftlich begründet. „Der FC Bayern ist ein großes Unternehmen, das noch viele, viele Jahre in Deutschland bestehen will. Und da gilt es ganz einfach, sich keine Blöße zu geben“, sagte Effenberg. Ihm mache es Mut, dass ihm Leute sagen, sie hätten eine Unterschriften-Aktion für ihn gestartet. „Ich stelle mich morgens vor den Spiegel, und – glauben Sie mir – ich muss mich nicht wegdrehen.“

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