Zeitung Heute : Der Vectra als Hoffnungsträger

Ingo Dahlern

Sie bauen auch kleine und kompakte Autos wie den Corsa und den Astra - doch ein ganz spezieller Schwerpunkt des Opel-Angebots sind Mittelklassefahrzeuge. Und hier sind im unteren Bereich der Vectra und in der gehobenen Mittelklasse der Omega schon ein wenig in die Jahre gekommen. Zeit für eine Ablösung, bei der der Vectra im nächsten Jahr den Anfang macht. Und das mit einem Auto, das zu großen Hoffnungen berechtigt. Denn ein soeben möglicher erster Blick auf den neuen Vectra und den sportlichen Vectra GTS zeigte, dass man in Rüsselsheim erheblichen Aufwand getrieben hat, um mit der neuen Vectra-Generation optisch und technisch Akzente zu setzen und zu beweisen, dass man nicht nur in der Vergangenheit - der 1935 vorgestellte Olympia war der erste europäische Großserienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie - zu den besonders innovativen Unternehmen der deutschen Autoindustrie gehörte.

Maßstäbe bei den kompakten Minivans setzte man erst im vergangenen Jahrzehnt mit dem sehr erfolgreichen Zafira. Und ebenso stilbildend wie dieser variable Siebensitzer soll im nächsten Frühjahr der neue Vectra antreten. Ein Auto immerhin, dessen letzte Generation zwischen 1996 und 1998 Marktführer in ihrem Segment in Europa war. Dort möchte man bei Opel gerne wieder hinkommen. Erreichen möchte man das Ziel mit einem neuen Opel-Design, das einen erheblichen Schritt fort vom eher biederen Design der aktuellen Opel-Modelle bedeutet. Prägnant ist die neue Front mit dem trapezförmigen in die Motorhaube integrierten Kühlergrill und den vertikalen doppelstöckigen Klarglas-Scheinwerfern. Die Seitenlinie zeigt Spannung und Dynamik und das Heck wirkt breit und kraftvoll - kurzum ein Auto mit Gesicht.

Noch mehr gilt das für den coupéhaften sportlichen Vectra GTS mit seinen ausgearbeiteten Radhäusern und den besonders großen Lufteinlässen an der Front. Besonders positiv fällt allerdings der völlig neu gestaltete Innenraum auf. Hier machen hochwertige Materialien und Oberflächen und eine sehr gute Verarbeitung Eindruck. Und überzeugend ist auch die Abstimmung der Innenraumfarben, wobei das anthrazitfarbene Oberteil des sachlich eleganten Armaturenbretts vor allem mit hellem Unterteil sehr edel wirkt.

Und da wir gerade im Auto sind. Völlig neue Wege geht Opel bei den Bedienelementen, bei denen klar zwischen wichtigen und weniger wichtigen Funktionen unterschieden wird, die auch entsprechend getrennt werden. So übersichtlich wie beim neuen Vectra war bisher noch kein Opel-Instrumentenbrett gestaltet. Zu den zentralen Anzeigen gehört dabei ein großer Bildschirm oben im Armaturenträger, der auf Wunsch auch mit einem Farbdisplay für das Navigationssystem ausgestattet sein kann. Besonders elegant gibt sich der Vectra GTS mit seinem mit perforiertem Leder bezogenen Dreispeichenlenkrad und den von matten Chromringen eingefassten Instrumenten sowie den hochwertigen Stoffen im Innenraum. Und als besonders edle Version präsentiert sich der Vectra in der edlen Lederausstattung Siena, die durch hervorragende handwerkliche Verarbeitung überzeugt.

Er ist ein respektables Auto - der neue Vectra. Denn mit einer Länge von 4,60 Meter ist er zehn Zentimeter länger als der Vorgänger, mit 1,76 Meter Breite fünf Zentimeter breiter und mit 1,46 Meter Höhe auch fünf Zentimeter höher. Zusammen mit dem um sechs Zentimeter gewachsenen Radstand von nun 2,70 Meter bedeutet das spürbar mehr Raum für die Passagiere und auch für das Gepäck, für das nun ein 500 Liter fassendes Ladeabteil zur Verfügung steht - dank asymmetrisch geteilter Rückbank natürlich variabel. Und wenn schon die Limousine so groß ist, dann überrascht es nicht mehr, wenn Opel für den Caravan mit dem nochmals sechs Zentimeter längeren Radstand ankündigt, dass dieses Auto sogar den Omega übertrifft.

Der neue Vectra mit seiner hochwertigen Komfortausstattung und der kompletten Sicherheitsausstattung, zu der auch die Fahrdynamikregelung ESP gehört, geht, wie bereits ausführlich berichtet, zuerst als Stufenhecklimousine an den Start. Und mit dem Vectra GTS stößt er schon bald in völlig neue Fahrleistungsbereiche vor. Denn ausgestattet mit dem

155 kW (211 PS) leistenden 3,2-Liter-V6-Motor ist dieses Auto, das binnen 7,5 Sekunden Tempo 100 und maximal 247 km/h erreicht, der stärkste Vectra, den Opel bislang auf die Räder gestellt hat.


Auch künftig wird es einen großen Opel geben

Mit dem neuen Vectra macht man in Rüsselsheim den ersten entscheidenden Schritt in der Modellpolitik, um das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und die Anfang des nächsten Jahres kurz nach ihrer Premiere auf dem Genfer Salon erscheinenden Vectra-Versionen - der Viertürer mit dem kurzen Stufenheck und der coupéhafte sportliche GTS - sind nur der Startpunkt auf diesem Weg. Denn bereits ein Jahr später erscheint der Vectra Sigma mit seinem um sechs Zentimeter verlängerten Radstand und einem wegweisenden neuen Innenraumkonzept sowie neu akzentuiertem Design. Und im Herbst 2003 folgt dem Signum als viertes Modell der neuen Vectra-Familie ebenfalls mit verlängertm Radstand der Vectra Caravan. Sein Innenraum und insbesondere der Laderaum sollen in ihren Dimensionen sogar den nicht gerade kleinen aktuellen Omega übertreffen.

Und da gerade das Stichwort Omega fällt. Viel ist in den letzten Monaten über die Zukunft der großen Opel-Modelle spekuliert worden. Diesen Spekulationen machte der Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster jetzt ein Ende. Denn bei der Vorstellung des neuen Vectra erklärte er, dass Opel auch künftig große Modelle oberhalb des Vectra anbieten werde und man Opels große Tradition in diesem Marktsegment fortführen werde. So werde bereits intensiv an einem entsprechenden Modell gearbeitet, das Opels hohes technische Potenzial und die Innovationsfähigkeit des Unternehmens in dieser Klasse bestätigen werde. Allerdings muss man sich beim Nachfolger des großen Opel ein wenig gedulden. Denn vor 2004/2005 wird dieses Auto nicht fertig sein. Da der bisherige Omega nach derzeitigen Planungen nicht so lange gebaut werden soll, hofft man darauf, dass der neue Vectra mit dem verlängerten Radstand die dadurch entstehende Lücke ein wenig füllen kann.

Alle sechs Monate ein neues Auto

Der neue Vectra und ein künftiger großer Opel sind allerdings nicht die einzigen Pfeile im Köcher der Rüsselsheimer Entwickler. Denn künftig soll im Durchschnitt alle sechs Monate ein neues Opel-Modell auf die Räder gestellt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird man in Rüsselsheim auch strategisch wichtige Nischen-Segmente mit Opel-Fahrzeugen besetzen. Dazu gehört unter anderem der konsequente Ausbau der betont sportlichen OPC-Linie, der soeben erst mit dem Zafira OPC begonnen wurde.

Nicht weniger wichtig ist den Opel-Strategen aber auch die Erweiterung der besonders sparsamen und umweltverträglichen Eco-Modelle, zu deren überzeugendsten Vertretern in der jüngsten Vergangenheit der extrem sparsame und besonders saubere Astra Eco4 gehört. Und ein verstärktes Engagement bei Fahrzeugen mit Ergasantrieb gehört zu den wichtigen Zukunftsaktivitäten, bei denen man schließlich auch die künftigen Elektroautos mit Brennstoffzelle nicht übersehern darf. Wie weit Opel auf diesem Gebiet bereits ist, demonstriert unter anderem der Zafira HydroGen1, der bei den Olympischen Spielen in Sidney das Marathon-Feld anführte.

Ganz neue Aspekte zeigt auch das künftige Motorenangebot. So befinden sich derzeit bei den Ottomotoren neue Benzin-Direkteinspritzer und neue Turbomotoren in ihrer letzten Entwicklungsphase. Und das Angebot moderner direkt einspritzender Diesel wird schon bald durch neue Vier- und Sechszylinder erweitert. Vielseitiger wird auch das Getriebeangebot. Denn neben neuen Sechsgang-Schaltgetrieben und neuen klassischen Fünfgang-Automatikgetrieben mit manueller Schaltgasse wird man immer öfter auch stufenlose CVT-Automatikgetriebe (Continuously Variable Transmission) finden.

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