Zeitung Heute : Der verblüffte Kunde

Stefan Thomas Diemer hat aus einem Showroom ein Hightech-Küchenballett gemacht. Mit einer VIP-Karte können seine Gäste rund um die Uhr eine Edelküche besichtigen – und den Champagner leer trinken, wenn sie wollen

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Von Rolf Brockschmidt

Von außen sieht alles hermetisch aus, abweisend. Grau mattierte Glasscheiben bis zur Decke und der diskrete Schriftzug „studio 24“ lassen auf alles Mögliche schließen. Das macht die Sache rätselhaft. Doch wer eingeweiht ist, weiß, worauf er sich einlässt. Kaum hat er sich mit der platinfarbenen VIP-Karte der Tür genähert, springt diese auf, sphärische Musik ertönt, Lichter gehen an – man betritt einen Raum ohne Fenster, der auf den ersten Eindruck aus einem Science-Fiction-Film zu stammen scheint.

Zwei, drei Schritte weiter fahren aus dem langen Arbeitstisch drei Gaggenau-Abzugshauben aus der Platte. Hinten an der Schrankwand flammen die Regale auf, sind beleuchtet und plötzlich bewegen sich die Einlegeböden wie ein Paternoster. Damit nicht genug: Aus dem lang gestreckten Arbeitstisch gesellen sich zu den drei Abzugshauben zwei extrem flache Bildschirme, die aus der Versenkung emporfahren, einer mit TV-Bild, der andere mit Internet-Anschluss. Inzwischen leuchten auch die Regalböden einer weiteren Küche und von der Decke schimmern aus silbrig dezentem Blattplatin kleinste Leuchtdioden, die wie Sterne an einem kalten, aber edlen Himmel leuchten.

Stefan Thomas Diemer hat einen diebischen Spaß an der Verblüffung des Gastes. Dieses Hightech-Küchenballett ist sein Werk, er ist der Choreograph. Edelste Gerätschaften hören auf sein Kommando. Fast vergisst man über der technisch perfekten Inszenierung, dass man sich in einem Küchenstudio befindet, in dem es letztlich doch um den Verkauf einer Küche geht. Aber wie? Diemer kam auf die Idee, dank moderner Sicherungstechniken seinen potenziellen Kunden 24 Stunden rund um die Uhr den Luxus eines ungestörten Besuchs zu ermöglichen. Wer die Karte hat, kann jederzeit alleine ungestört alles im Studio betrachten, einschließlich der Präsentation der Küche auf einem 123-Zentimeter-Bildschirm.

Einige Karten wurden bisher an Prominente vergeben. „Wenn Sie sich mit den Kunden unterhalten und sie beraten, merken Sie recht schnell, ob einer wirklich Interesse an diesen Küchen hat“, sagt Diemer. Und dann bekommt er die Karte. Wenn er will, darf er auch die Flasche Champagner aus dem Kühlschrank leer trinken oder sich eine Cohiba anzünden. „Kunden, die so viel Geld ausgeben wollen, sollen sich wohl fühlen.“

Was im studio 24 in der Sigmaringer Straße gezeigt wird, sind drei Küchen von „TielsaSpecial“, der Nobellinie des Küchenherstellers Tielsa, der nebenan bei „City-Küchen“ mit seinem gehobenen Programm zu studieren ist. „TielsaSpecial“ ist eine Edellinie, die im Wesentlichen auf individuellen Wunsch geliefert wird. „Tielsa hatte schon immer den Hintergrund einer Manufaktur und ist dieser Tradition treu geblieben“, sagt Diemer, „vieles ist eben Maßanfertigung und da liegen die Stärken des Programms.“

„TielsaSpecial“ hat eine Küche entwickelt, die aus einem Kochblock besteht, der es in sich hat. Er ist 2 Meter 20 lang und besteht aus zwei Öfen mit jeweils fünf Kochfeldern aus Glaskeramik, die sich per Sensordruck noch ein wenig herausfahren lassen und so die ganze Arbeitsfläche bieten. Hinter jeder Kocheinheit kommt ebenfalls auf Sensordruck eine Abzugshaube aus der Edelstahlplatte gefahren. Ist die Arbeit beendet, wird der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Die Oberfläche dieser Küche ist blütenweiß lackiert und mit Platinstaub bestreut. Sie wird im „studio 24“ erstmals gezeigt und nur auf Wunsch produziert.

Die zweite Küche strahlt in matten Aluoberflächen Zukunft aus. Kombiniert werden die Fronten mit matten und klaren Glastüren, die sich über ein Gleichgewichtssystem vertikal nach oben und unten schieben lassen und so die obere oder untere Hälfte des Aufbaus frei geben. Durch die Schiebetüren ragen weder eine Tür noch eine Klappe in den Raum, sie ist daher gut geeignet für beengte Verhältnisse.

Was aber tun, wenn man von kleiner Statur ist, aber ohne Tritt an das obere Regalbrett in zwei Meter Höhe kommen möchte? Kein Problem, bei „TielsaSpecial“ fahren die Küchenuntensilien Paternoster. Ein Sensordruck genügt und das Regal setzt sich in Bewegung. Neu sind auch die mit kaltem oder warmem Licht beleuchteten Glasböden. Vertikale Lichtleisten betonen den Charakter des Möbels, geben ein dezentes Licht zusammen mit den beleuchteten Regalböden. Die Sockel der Unterschränke sind zurückgesetzt und von oben beleuchtet. Das gibt noch einen besonderen Effekt in der Küche, lenkt allerdings auch den Blick auf den Fußboden, auf den ja im Eifer des Kochens auch schon mal etwas fallen kann.

Bei allen Küchen fehlt der Korpus. An zwei Wandschienen werden stattdessen Wangen eingehängt, in die wiederum die einzelnen Elemente kommen. So ist die Küche auch raumsparend zu transportieren. Und alle Innenflächen sind aus dem gleichen Material wie die Außenflächen.

Eine weitere Neuigkeit bei dieser Küche: Türen und Schubladen gehen ganz sanft zu, kurz vor dem Einrasten wird die Bewegung abgebremst, fast lautlos schließt sich die Tür. Diese Technik ist patentiert, ebenso wie die Warmhaltefläche, die in die Cristallite-Arbeitsfläche eingelassen und bis 55 Grad zu erwärmen ist. Kleine Stahlpunkte markieren die Fläche, auf der Teller und Töpfe warm gehalten werden. Ein kleiner Trost für alle, deren Haushaltsbudget eine Küche dieser Preisklasse nicht erlaubt: Diese Arbeitsplatte ist auch im normalen Tielsa-Programm erhältlich.

studio24 by City-Küchen, Sigmaringer Straße 18, 86 47 680, www.city-kuechen.de

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