Zeitung Heute : „Der Verlust des Klinikums schwächt das Profil der FU“

Der Tagesspiegel

Wenn die Freie Universität das Klinikum Benjamin Franklin verlieren würde, dann wäre sie keine Volluniversität mehr. Das ist die größte Gefahr, die der FU droht, meint das Kuratorium der FU. Zwar sieht der Vorsitzende des Kuratoriums neuer Art, Professor Hans-Uwe Erichsen, das Beharren auf der Volluniversität kritisch, weil es heute angesichts knapper Finanzen eher darauf ankommt, dass jede Universität sich ein unverwechselbares Profil zulegt, statt das Fächerspektrum in voller Breite zu verteidigen. Für Berlin jedoch beurteilt Erichsen die Situation anders: In Berlin sei der Verzicht auf das FU-Klinikum deshalb besonders problematisch, erklärte er gestern vor Journalisten, weil das Klinikum so stark zum Profil der FU beitrage, dass seine Schließung eine Schwächung der FU verursachen und viele andere Fächer in Mitleidenschaft ziehen würde.

Ähnlich äußerte sich FU-Präsident Peter Gaehtgens: Die Schließung werde besonders die Naturwissenschaften in Mitleidenschaft ziehen. Vor allem aber würde ein Zukunftsbereich geschwächt, nämlich der Aufbau eines biomedizinischen Kompetenzzentrums, das in Dahlem und Steglitz mit dem FU-Klinikum, den Naturwissenschaften und dem Max-Planck-Institut für Genetik so konzentiert sei wie nirgendwo sonst in der Stadt.

Dem Votum des Kuratoriums neuer Art kommt Gewicht zu, weil es mit sechs auswärtigen Prominenten besetzt ist, darunter der Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, dem ehemaligen Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Karl-Heinz Hoffmann, der Hochschulexpertin aus der Schweiz, Professor Heidi Diggelmann, dem ehemaligen Vorsitzenden der IG Chemie, Hermann Rappe und vier Vertretern der FU. Das Kuratorium ist der Überzeugung, dass die Schließung der FU-Medzin weder kurz- noch mittelfristig die erwarteten Einsparungen in Höhe von 98 Millionen Euro jährlich bringen werde. Vielmehr sei damit zu rechnen, dass auf Grund der Pensionsverpflichtungen, der weiter laufenden Ausbildung der Studenten und der Rückzahlung der Bundesgelder im Hochschulbau noch im Jahr 2015 fast die Hälfte des jetzigen Landeszuschusses, also 49 Millionen Euro, aufgebracht werden müsse.

Das Kuratorium kann weder in einer medizinischen Hochschule, gebildet aus dem FU-Klinikum und den beiden Klinika der Charité, noch in einer Eingliederung des FU-Klinikums in die Charité eine Lösung sehen. Es erklärt den in Deutschland herausragenden Erfolg der Hochschulmedizin in Berlin gerade aus dem Wettbewerb zwischen selbstständigen Klinika.

Nachdrücklich hat das Kuratorium die Freie Universität aufgefordert, eine Stärken- und Schwächen-Anlayse vorzunehmen, weil unter dem Spardruck in jedem Universitätsklinikum nur noch solche Forschungsgebiete vorgehalten werden könnten, die sich als wissenschaftliche Schwerpunkte und unverzichtbar für die Lehre erweisen. Entsprechend sollten künftig die Gelder nach strengen Leistungsparametern vergeben werden. Einer Prüfung, ob das Klinikum einem anderen Träger unterstellt oder im Krankenhausbetrieb privatisiert werden könne, sollte sich die FU nicht entziehen.

In die Arbeit der Expertenkommission, die am 14. März zum ersten Mal mit den Vertretern der Berliner Hochschulmedizin zusammen tagen wird, setzt die FU ihr volles Vertrauen, sagte Präsident Gaehtgens. Die FU wolle auch den Experten mit eigenen Lösungsvorschlägen zuarbeiten, jedoch könne man nicht erwarten, dass die FU Finanzvorschläge vorlegen werde. Das sei die eigentliche Aufgabe der Expertenkommission.

Nach wie vor behält sich die Freie Universität vor, falls am Ende doch die Empfehlungen umgesetzt werden sollten, das FU-Klinikum zu schließen, mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorzugehen. Das betonte der Kuratoriumsvorsitzende Professor Erichsen. Sollte es zu einem Bruch der bis zum Jahr 2005 geltenden Hochschulverträge kommen, so sei er zuversichtlich, dass die FU in dem Rechtsstreit mit dem Berliner Senat Erfolg haben werde.Uwe Schlicht

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