• Der Wasser-Test Berliner Leitungswasser hat einen guten Ruf. Aber kann es auch im Geschmack mit der Konkurrenz aus den Flaschen mithalten?

Zeitung Heute : Der Wasser-Test Berliner Leitungswasser hat einen guten Ruf. Aber kann es auch im Geschmack mit der Konkurrenz aus den Flaschen mithalten?

Dagmar Rosenfeld

Mit Kohlensäure oder ohne – das ist unter Wassertrinkern längst nicht mehr nur eine Frage des Geschmacks. Es geht um mehr, um Lebensgefühl, Körperbewusstsein – und Image. „Stilles Mineralwasser zu trinken, gilt besonders unter jungen Leuten als chic“, erklärt Inga Haubold von der Gesellschaft für Konsumforschung. Anders als noch ihre Väter und Mütter, würde die junge Generation nicht mehr traditionell zur Sprudelwassermarke aus der eigenen Region greifen. Wer was auf sich hält, lässt an seinen Gaumen nur die stillen Wässerchen, vorzugsweise aus Frankreich mit wohlklingenden Namen wie Evian oder Volvic. Der Marktanteil der Wassersorten ohne Kohlensäure ist mit zwölf Prozent zwar nicht gigantisch hoch, aber in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.

Doch wenn es hauptsächlich um den Kohlensäuregehalt geht, drängt sich dem weniger frankophilen Wassertrinker die Frage auf, ob es nicht auch Leitungswasser tut – ist zwar weniger extravagant, dafür garantiert ohne Blubber. „Leitungswasser schmeckt tadellos und auch aus gesundheitlicher Sicht gibt es keine Einwände“, sagt Claus Arius. Und der muss es wissen: Er hat 225 Wassermarken aus aller Welt getestet und darüber einen „Mineralwasser-Guide“ veröffentlicht. Aber kommt es denn nicht auf die Mineralien an, die das Wasser aus dem tiefen Stein gelöst hat, wie es uns die Werbung lehrt? „Ein Löffel Spinat oder ein halbe Banane und Sie haben genauso viele Mineralien zu sich genommen wie zwei Liter Mineralwasser enthalten“, erklärt Arius.

Zudem sind auch in dem Wasser aus dem Hahn eine ganze Menge Mineralstoffe. So lesen sich die Durchschnittswerte des Berliner Leitungswasser wie das Etikett auf einer Flasche Evian oder Vittel: Natrium 26 Milligramm pro Liter, Magnesium 10 Milligramm pro Liter und Calcium 105 Milligramm pro Liter. Auf eine chemische Reinigung können die hiesigen Wasserwerke verzichten und auch auf Chlorzusätze. „An unserem Wasser gibt es nichts zu bemängeln“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe.

Dennoch droht Gefahr aus der Leitung. Denn in vielen Berliner Altbauten, vor allem der westlichen Innenstadt, fließt das Wasser noch durch Bleirohre – und Blei ist giftig. Auf die Rohre in den Haushalten, die so genannte „letzte Meile“, haben die Wasserbetriebe keinen Zugriff. Da nützt es manchem herzlich wenig, dass die Wasserwerke reinstes Trinkwasser liefern, wenn die Installation daheim alles voll Blei pumpt. Das soll sich nun ändern: Seit Januar 2003 gilt eine neue Trinkwasserverordnung und die nimmt auch die Hausbesitzer in die Pflicht. Sie müssen im Zweifelsfall die Rohre erneuern, damit die zulässigen Grenzwerte eingehalten werden (weitere Informationen: Wasserbetriebe Berlin, Tel. 0800-292 75 87).

Wie gut das Leitungswasser in der Hauptstadt ist, hat nun auch der rot–rote Senat entdeckt. Und weil Qualität ihren Preis hat, soll das Trinkwasser noch in diesem Jahr teurer werden. Die Wirtschaftsverwaltung will von den Berliner Wasserbetrieben eine Konzessionsabgabe erheben, die dem Land 68 Millionen Euro Einnahmen bringt. Den Verbraucher würde dann der Kubikmeter Trinkwasser 2,23 Euro kosten, statt wie bisher 1,91 Euro. Bei einem jährlichen Wasserverbrauch von rund 45 Kubikmetern pro Kopf sind das 15 Euro mehr.

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