Zeitung Heute : Der Weg zum guten Billigwein

Cordula Eichs „SuperSchoppenShopper“ 2012

Selten war ein Weinbuch in der Szene so umstritten wie der „Super Schoppen Shopper” der in Holland lebenden Autorin Cordula Eich. Die Gurus fanden es despektierlich, dass sich überhaupt irgendjemand mit Supermarktweinen beschäftigt, die ja angeblich per Definition nichts taugen. Doch langsam hat sich herumgesprochen, dass das Buch dem traditionellen Handel nichts wegnimmt, sondern ein gute Hilfe für alle ist, die kein Fachgeschäft in der Nähe haben und/oder wenig Geld ausgeben wollen. (11,95 Euro).

Die neue Ausgabe ist jetzt zur Buchmesse erschienen, die Texte sind herrlich bissig und gemein wie immer – und lassen keinen Zweifel daran, dass sich in den Regalen der Supermärkte trotz aller Anstrengungen immer noch reichlich Schauderhaftes findet. Doch es gibt auch viel Besseres. Ich habe ein paar Weine probiert , die dort besonders gelobt werden, und das war eine durchaus angenehme Erfahrung. Allerdings gibt es viele davon längst nicht mehr, was vermutlich vor allem an der knappen Produktion in Deutschland 2010 liegt.

Also sind sämtliche Versuche zum Scheitern verurteilt, bei Rewe oder Edeka noch ein paar von den guten Frankenweinen von Brennfleck oder Divino zu schießen, die Lauffener Weine kann man genau so vergessen wie die besseren Rheingauer aus Eberbach, bei einigen Bordeaux ist es nicht besser. Statt eines vollen Einkaufswagens schiebt der Leser also Frust.

Die Großdiscounter immerhin haben noch so gut wie alles, was im Buch erwähnt wird. Viel besser, als der Fachhandel vermutlich wahr haben will, ist der 2007 Vinya Carles Crianza aus dem Priorat, ein durchaus typischer, dichter, gut balancierter Rotwein, fruchtig-dicht mit ein wenig Rumtopf und nicht zuviel Holz, beachtlich lang. 4,99 kostet die Flasche bei Lidl, also bitte: Für so was werden anderswo schon mal 25 Euro eingezogen. Gut ist auch der hochanständige El Portico Rioja Crianza 2007 (auch 4,99) von Rossmann. Schöne Frucht, nicht zu fett, ein Tempranillo ohne auffällige Ecken und Kanten, aber mit Charakter.

„Dr.Faust“, ein 2010er Grauburgunder von der Nahe (Rewe), kam ganz gut aus den Startlöchern, ein wenig Birne, Melone, Banane in der Nase, aber das war es dann auch schon. Der Wein ist modern gemacht und auf den ersten Schluck ganz erfrischend, aber die aufgesetzt wirkende Säure störte. Das betraf auch den „Senso“ Rosso Salento von Rossmann (4,49), einen nicht ganz reinsortigen Sangiovese, der ein wenig kratzig und vorlaut wirkte. Was hatten wir noch? Einen rheinhessischen Grauburgunder von Lidl für 2,19 Euro. Trinkbar durchaus, sauber. Eiskalt und als Schorle deklariert, sicher keine schlechte Wahl zum Gartenfest. Eigene Versuche empfohlen. Bernd Matthies

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