Zeitung Heute : Der Weltmanager

Ruth Ciesinger

Der südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon wird höchstwahrscheinlich neuer Generalsekretär der Vereinten Nationen. Warum kann er eine deutliche Mehrheit im Welt- sicherheitsrat hinter sich vereinigen?


Bei den UN changiert die Begeisterung für Südkoreas Außenminister, den voraussichtlichen Nachfolger von Generalsekretär Kofi Annan, von freundlich zustimmend bis resigniert abwartend. „Ban Ki Moon ist der klassische Kleinste-gemeinsame-Nenner-Kandidat“, sagt ein enttäuschter westlicher Diplomat. Und fügt hinzu: „Geben wir ihm den ,benefit of doubt‘“, was so viel heißt wie: Vielleicht kommt es ja besser, als wir denken.

Überraschend schnell haben sich die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat, die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien (P5) offenbar auf den Mann geeinigt, der Annan am 1. Januar 2007 im Amt nachfolgen soll. In New York rechnet kaum mehr jemand damit, dass bis zum Montag, wenn der Sicherheitsrat Ban offiziell als seinen Kandidaten bestimmen und der Generalversammlung zur Wahl vorschlagen will, noch ein neuer Bewerber auftauchen wird. Dafür hat Ban, der als eher farblos gilt und in seinen persönlichen Vorstellungsrunden nach Angaben von Teilnehmern selten frei gesprochen, sondern „politisch korrekt“ vom Blatt abgelesen hat, die bisherigen Probeabstimmungen einfach zu deutlich für sich entschieden.

Dabei könnte ihm auch das geholfen haben, was von Vertretern der Mitgliedstaaten jetzt bedauert wird: Ban Ki Moon hat bisher keine neuen Visionen durchblicken lassen, was die Weiterentwicklung der Weltorganisation betrifft. Die P5 wiederum hätten nichts gegen einen schwachen Generalsekretär, allen voran Washington und Peking – denn mit umso weniger Gegenwind vom UN-Chef gegenüber ihrer Politik ist zu rechnen. Die USA hatten schon klargemacht, dass sie sich keinen neuen Superdiplomaten, sondern eine Art Manager wünschen, der Strukturreformen innerhalb der Vereinten Nationen durchsetzt. China bestand auf einem asiatischen Kandidaten, da seit dem Burmesen U Thant nach 1971 kein Generalsekretär mehr aus dieser Regionalgruppe kam. Dementsprechend verkündete Chinas UN-Botschafter Wang am Montag: „Es ist ziemlich klar, dass Ban Ki Moon der Kandidat des Sicherheitsrates ist.“ Was fehlendes Charisma betreffe, hieß es zuvor: „Wir Asiaten präsentieren uns eben anders.“

Dass Ban Ki Moon nicht über die Aura eines Kofi Annan verfügt, räumt man auch auf US-Seite ein. Und fügt hinzu: Ein Generalsekretär habe mindestens eine fünf-, wenn nicht zehnjährige Amtszeit. Da könne niemand sagen, wie sich eine Person entwickle. UN-Mitarbeiter erinnern jetzt an den früheren Generalsekretär Dag Hammarskjöld. Zu Beginn seiner Amtszeit war er ein klassischer Berufsdiplomat und Konsenskandidat, der sich dann zum bisher berühmtesten Generalsekretär entwickelte. „Außerdem“, heißt es in New York, „was nutzt uns eine schillernde Persönlichkeit an der Spitze, wenn dann die Zusammenarbeit mit den USA gar nicht mehr funktioniert?“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben