Zeitung Heute : Der ZDF-Sportmoderator wird am Sonntag 65 Jahre alt - Unruhestand als freier Mitarbeiter geplant

Reinhart Bünger

In einer Branche, in der langlaufende Karrieren über den Kultstatus verdient werden müssen, ist Dieter Kürten die Ausnahme. Dem Sportjournalisten, der am Ostersonntag das Ruhestandsalter erreicht, kommt dabei eine Eigenschaft zugute, die im aufgeregten Fernsehmarkt wenig gewinnträchtig erscheint: Leise Lässigkeit.

Kürten war schon cool, als Günther Jauch noch kurze Lederhosen trug. Und ist es mit seinem stets gelockerten Kawattenknoten bis heute geblieben. Während sich jüngere Kollegen mit sprachlichen Flachpässen in den Vordergrund spielen, ist Kürten am Ball wie der sprichwörtliche Schuster an seinem Leisten. Zwar endet am 30. April seine offizielle Tätigkeit als Sport-Chefreporter, doch den Zuschauern bleibt Kürten auch nach seinem 65. Geburtstag erhalten. Er wird als freier Mitarbeiter für die "Mainzelmänner" tätig sein, denen er seit dem 18. März 1963 die Treue hält. Von Anbeginn gehörte er zum Stamm der Fußball-Bundesliga-Reporter und berichtete immer wieder von großen nationalen und internationalen Sportereignissen. "Bei der EM im Sommer in den Niederlanden und Belgien bin ich wieder dabei. Dort werde ich, allerdings ohne Karl-Heinz Feldkamp, die Anmoderation aus einem Cafe in Amsterdam vornehmen", berichtet Kürten.

In der ZDF-Sendezentrale in Mainz stapeln sich unterdessen die Glückwunsch-Karten und Telegramme. Selbst die höchsten Würdenträger im Staate haben an Dieter Kürten gedacht. "Sie haben ungezählten Menschen durch ihre Arbeit etwas mehr Lebensfreude geschenkt", schrieb Bundespräsident Johannes Rau an den populären und beliebten Sportreporter. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) gratulierten bereits.

"Ich kenne Rau und Schröder persönlich und freue mich natürlich über ihre anerkennenden Worte. Viele Menschen haben mich angerufen und es bedauert, dass ich nun nicht auf dem Bildschirm zu sehen sei. Doch dem ist nicht so", sagt Kürten. Von einem Rentnerdasein will der ZDF-Mann der ersten Stunde nichts wissen, wenngleich er sich heute aus gesundheitlichen Gründen etwas rarer macht.

Was Kritiker dem "Softie" vorwerfen, zeichnet den bekennenden Christen aus: Mit seinen lässig-lockeren Plaudereien entlockte er seinen Gesprächspartnern in der Regel mehr als jene Kollegen, die das journalistische Verhör pflegen. Mehr aber noch als dem solide erlernten Handwerk verdankt Kürten seine Popularität seinem heiter-ungezwungenem Wesen. Kürten gehörte nie zu den Sportjournalisten, die am Sonnabend genau wissen, welche Mannschaft am Sonntag gewinnen wird und am Montag dann erzählen, warum sie verloren hat. Damit ähnelt er seinem inzwischen verstorbenen Mentor Wim Thoelke, der ihn zunächst in der "heute"-Sendung, dann als Moderator von "Sportreportage" und "Sportinformation" einsetzte. 1967 folgte Kürtens erster Auftritt im "Aktuellen Sportstudio", das er bisher 370 Mal moderierte.

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