DERIVATE, FINANZEN UND ANLAGEN : Auch Bargeld sollte im Portefeuille sein

Der wichtigste Grundsatz für Kapitalanlagen lautet: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Als besonders sicher gelten Staatsanleihen.

Jonas Dowen

ChicagoDie Welt-Finanzmärkte sind in Turbulenzen geraten. Ausgehend vom Preiseinbruch bei US-Wohnimmobilien stürzten der Hypothekenmarkt und der Markt für strukturierte Finanzprodukte und Derivate in eine Krise, die sich zu einem globalen Desaster ausgewirkt hat. Die Notenbanken in Europa und den USA reagierten wie in der Vergangenheit: Sie überschütten die Finanzmärkte mit Liquidität. Die US-Notenbanken senkten darüber hinaus ihre Leitzinsen kräftig. Damit verlor die Krise deutlich an Brisanz – zunächst einmal. Denn noch immer wird ein Übergreifen auf die Realwirtschaft nicht ausgeschlossen. In den USA wird wieder das bei Ökonomen bis vor kurzem noch als verboten geltende „R“-Wort zitiert. Und in der Tat: Eine Rezession in den USA würde nicht überraschen, weil zwischen dem Immobilienmarkt und dem Konsumverhalten der dortigen Bevölkerung ein enger Zusammenhang besteht.

So bleibt die Nervosität an den globalen Finanzmärkten zunächst einmal erhalten, wie an den Aktienbörsen zu sehen ist, wo Kurserholungen regelmäßig die Minuskorrekturen folgen. Kein Wunder: Denn die Kreditkrise hat dazu geführt, dass zum Beispiel die Fantasie auf Fusionen und Übernahmen – in der Fachsprache als M & A (Mergers & Acquisitions) bezeichnet – praktisch verschwunden ist. Von hier waren in den vergangenen Monaten vor dem jüngsten „Mini-Crash“ die entscheidenden Impulse für die Hausse an den Aktienbörsen gekommen. Jetzt scheint diese Quelle zunächst einmal zu versiegen.

Da vor allem Private-Equity-Unternehmen die treibenden Kräfte für den bis vor kurzem neue Rekorde erreichenden M & A-Boom sind, ist also ein wichtiger Impulsgeber für Aktien verschwunden. Private-Equity-Fonds und Hedgefonds haben in den vergangenen Jahren die generöse Geldpolitik der Notenbank und die ebenso ungebremste Kreditbereitschaft der Banken dazu genutzt, sich mit Fremdkapital in börsennotierte Unternehmen einzukaufen. Nachdem mit der Rückkehr des Risikobewusstseins die Banken die Vergabe von Krediten praktisch eingestellt haben, ist das M-&-A-Geschäft über Nacht eingeschlafen.

„Jetzt schlägt die Stunde der strategischen Investoren“, sagt der bekannte New Yorker Hedgefonds-Manager Guy Wysser-Pratte, der sich durch seinen Einstieg in deutsche mittelständische Unternehmen wie Kuka, Cewe und Balda einen Namen gemacht hat. Der Experte geht davon aus, dass immer mehr Unternehmen in Zukunft versuchen werden, sich in Konkurrenten einzukaufen. Da strategische Investoren weniger nervös agieren würden als zum Beispiel die Private-Equity-Häuser und Hedgefonds, sei dies im Endeffekt vorteilhafter – weil besser kalkulierbar – sowohl für die betreffenden Unternehmen als auch für die Aktienbörsen. Vor diesem Hintergrund rechnen Fachleute damit, dass das Kursrisiko an den Aktienbörsen zumindest für die absehbare Zukunft bis in das erste Quartal 2008 hinein überschaubar ist, weil strategische Investoren schwächere Kurse für den Einstieg nutzen dürften. Bis dahin wird auch deutlicher zu erkennen sein, ob die US-Wirtschaft – immerhin die größte Volkswirtschaft der Welt – in eine Rezession abrutscht oder es zu einem „Soft Landing“ kommen wird.

Im Moment drängt sich nach Ansicht von Experten allerdings keine aktive und aggressive Investmentstrategie an den internationalen Aktienbörsen auf. Vielmehr sollten die Anleger ihr Pulver trocken halten und erst bei wirklich schwächeren Kursen wieder eine positivere Haltung zu Aktien einnehmen. Denn eines haben die jüngsten Turbulenzen und die daraus resultierende steile Talfahrt der Aktienkurse deutlich gezeigt. Aktien sind und bleiben riskante Investments.

Anleger sollten daher nicht vom wohl wichtigsten Grundsatz der Kapitalanlage abweichen, der da heißt: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Vielmehr sollte das für die Kapitalanlage vorhandene Geld breit gestreut werden. Denn neben Aktien sollte ein Portefeuille auch Anleihen, Gold, Immobilien und natürlich auch Bargeld umfassen. Wer vor Monaten seinen Anteil an als sicher geltenden Staatsanleihen erhöht hat, ist damit gut gefahren. Denn die Kurse dieser Anleihen sind in der jüngsten Zeit im Zuge der Krise kräftig gestiegen. Dies auch deshalb, weil Staatsanleihen allgemein als die sicherste Kapitalanlage gelten, weil die Börse davon ausgeht, dass Staaten ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen werden.

Klug hat in den vergangenen Wochen der Anleger gehandelt, der sein Geld in Rohstoffen wie Gold, Silber, Platin und Rohöl investiert hat. Denn auch hier waren während der aktuellen Krise kräftige Preissteigerungen zu verzeichnen. So erreichte der Preis für Rohöl bei rund 83 Dollar je Barrel neue Rekordmarken. Der Goldpreis kommt beim heutigen Mehrjahreshoch von 735 Dollar je Feinunze seinem bisherigen Rekordhoch von 855 Dollar aus dem Jahr 1981 immer näher. Ungeachtet aller negativen Schlagzeilen über Hedgefonds-Pleiten zeigen die repräsentativen Indizes, dass eine Beimischung von Hedgefonds in breit ausgerichteten Portefeuilles durchaus Sinn machen; denn die bekannten Hedge-Fonds-Indizes zeigen für das Gesamtjahr 2007 eine bessere Wertentwicklung als die populären Aktienindizes wie der Dax, der DJ Euro Stoxx 50 und der Dow-Jones-Index.

Wer die großen und erfolgreichen Investoren der Finanzmarktszene kopieren will, der sollte ein wachsames Auge auf die Aktivitäten von Calpers – der größten Pensionskasse der USA – werfen. Die Anlageexperten dieses Instituts haben zuletzt damit begonnen, nicht nur einen Teil ihres Geldes in Rohstoffe zu investieren, sondern auch in das Thema Infrastruktur. Experten gehen davon aus, dass das Thema Infrastruktur im derzeit anlaufenden Wahlkampf in den USA von den Kandidaten sehr stark thematisiert wird. Der Grund: Nach dem Brückeneinsturz in Minneapolis lassen sich mit solchen Themen Wählerstimmen gewinnen. Zahlreiche Banken in Deutschland haben in jüngster Zeit Zertifikate emittiert, mit denen sich Anleger indirekt bei Infrastrukturprojekten, wie beispielsweise Straßen oder Flughäfen, engagieren können.

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