Deutsch-deutsches Champions-League-Finale : Ist die Bundesliga die beste Liga der Welt?

Mit Borussia Dortmund und Bayern München stehen am Samstag erstmal zweit deutsche Teams im Finale der Champions League. Was sagt das über die Stärke der Bundesliga aus? Ist die deutsche Liga die beste der Welt?

Die Welt mit Füßen getreten: Ist die Bundesliga die stärkste Fußballliga des Planeten?
Die Welt mit Füßen getreten: Ist die Bundesliga die stärkste Fußballliga des Planeten?Foto: dpa, Montage: Sascha Lobers

Alle wollen am kommenden Samstag dabei sein: Die Münchener Philharmoniker haben extra ein Stück für das Endspiel aufgenommen, in Polen sprach Linkspartei-Chef Leszek Miller vom „begehrtesten Mitbringsel aus Deutschland“, als ihm SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück einen Fanschal der Dortmunder überreichte, und auch die Kanzlerin will ins Londoner Wembley-Stadion kommen. Solche Aktionen beziehen sich aber vorrangig auf das konkrete Duell am kommenden Samstag. Grundsätzlicher ist, dass das vergleichsweise solide Wirtschaften in der Bundesliga zum Maß für andere Ligen geworden ist. Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Dachverband der Bundesliga-Klubs, sagt: „Ganz Europa blickt momentan auf die Bundesliga. Ob wir jetzt allerdings die beste Liga der Welt sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, wenn wir Konstanz beweisen.“

Was sagt das deutsch-deutsche

Champions-League-Finale über die Stärke der Bundesliga aus?

Es ist das erste Mal, dass zwei deutsche Klubs im Finale der Champions League stehen. Noch 2008 standen drei Mannschaften aus der englischen Premier League und der zu dieser Zeit unschlagbare FC Barcelona im Halbfinale. Die Katalanen schlug der FC Bayern nun in zwei Spielen zusammengerechnet 7:0, die englischen Klubs überstanden nicht einmal das Achtelfinale in der Champions League. So erfolgreich wie jetzt waren die deutschen Vereine seit den siebziger und frühen achtziger Jahren nicht mehr, als 1980 mit Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt zum ersten und bisher letzten Mal zwei Bundesligisten ein Europapokalfinale bestritten.

Das klingt gut, kann allerdings auch eine temporäre Erscheinung im steten Wechselspiel des Fußballs sein. Und in Europa, dem Kontinent mit den besten Ligen der Welt, liegt die Bundesliga derzeit hinter der spanischen Primera Division und der englischen Premier League nur auf Rang drei der Fünfjahreswertung. Mit diesem Ranking ermittelt der europäische Fußballverband, wie viele Startplätze ein Land im Europapokal erhält, abhängig davon, wie die Klubs in den vergangenen fünf Jahren international abgeschnitten haben. Die Bundesliga holte in dieser Saison zwar so viele Punkte wie noch nie nach den aktuellen Rankingregeln (17 642), aber trotzdem weniger als die Spanier (17 714). Denn Bayern und Dortmund erreichten zwar das Finale im wichtigsten Wettbewerb – aber die übrigen fünf Klubs schnitten mau ab, keiner von ihnen kam in der Champions oder Europa League über das Achtelfinale hinaus. Ohnehin holten die Bayern mit drei Finalteilnahmen in den letzten vier Champions-League-Saisons die meisten deutschen Rankingpunkte. Dortmund schied in den vergangenen beiden Europapokalsaisons in der Vorrunde aus. Es gibt also einen Verein, der derzeit konstant stark in Europa ist. Der Durchschnitt der gesamten Liga spielt nicht auf hohem Niveau.

Wird die Bundesliga künftig langweilig?

Nach dem Finaleinzug von Borussia Dortmund und Bayern München gab es umgehend eine von Bayern-Präsident Uli Hoeneß aufgeworfene Debatte darüber, ob im deutschen Fußball jetzt „spanische Verhältnisse“ kommen werden. In Spanien dominieren Real Madrid und der FC Barcelona die Liga nach Belieben, die einzige Spannung besteht darin, ob in einem Jahr der eine oder der andere Meister wird. Aber die Vereine dahinter wie Atletico Madrid gewinnen trotzdem auch mal einen Europapokal. In Deutschland teilten Dortmund und Bayern die Titel zuletzt unter sich auf, der Vorsprung der Münchner auf den Tabellendritten Leverkusen betrug 26 Punkte. Die übrigen Bundesligisten sehen die Entwicklung mit Sorge. „Es wird sehr schwierig sein, sich in der kommenden Saison zu verbessern“, sagt Leverkusens Trainer Sami Hyypiä. National besteht also nicht nur gefühlt ein großer Abstand zwischen den beiden Spitzenmannschaften und den anderen, so gesehen dem Rest. Zu den international ganz großen Klubs zählen sich ohnehin nur die Bayern, die dem nationalen Konkurrenten aus Dortmund zuletzt durch das Abwerben von Jungstar Mario Götze gezeigt haben, wer die Führungsrolle auch künftig beansprucht. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sprach denn auch eher von „schottischen Verhältnissen“ – in der dortigen Liga dominiert Celtic Glasgow einsam. Um international spitze zu sein, fehlen Bayern und der ganzen Bundesliga allerdings noch spektakulärere und größere Transfers als der Rekordeinkauf des spanischen Defensivarbeiters Javi Martinez für 40 Millionen Euro vor dieser Saison.

Dominiert die Bundesliga bald durch

ihre Finanzkraft den europäischen Fußball?

Die Bundesliga ist seit Jahren die profitabelste Liga Europas – aber bislang nicht die reichste. Zwar erwirtschafteten die deutschen Klubs 2011/12 erstmals knapp über zwei Milliarden Euro, aber die englische Premier League lag da mit einem Umsatz von etwa 2,8 Milliarden noch darüber. In der Wahrnehmung und den Einnahmen im Ausland, etwa durch Fanartikelverkäufe in Asien, liegen die englischen Klubs ebenfalls weit vor den deutschen. Da hofft DFL-Geschäftsführer Seifert nun auf neues Ansehen durch Dortmunds und Bayerns Erfolge.

Keine Liga erzielt höhere Gewinne als die Bundesliga, genutzt hat das den meisten deutschen Teams im europäischen Wettbewerb aber kaum. Englische, spanische und italienische Klubs häuften zwar immense Schulden an. Aber die Vereine dort sind, anders als in der Bundesliga, nicht vor Übernahmen durch Investorengruppen oder arabische Scheichs geschützt. Die Eigentümer spendierten einfach neues Geld. Oder die Kommunen halfen aus. Dazu profitierten die ausländischen Spitzenklubs von lukrativen Fernsehdeals. Die Bundesliga holt da auf, ab nächster Saison steigen die Fernseheinnahmen um 50 Prozent.

Große Hoffnungen setzten deutsche Fans zudem in das Financial Fairplay. Damit will der europäische Fußballverband Uefa die Klubs zu gewissenhafterem Wirtschaften anhalten. Wer künftig mehr ausgibt, als er einnimmt, muss fürchten, nicht mehr am Europapokal teilnehmen zu dürfen. Davon würden Vereine profitieren, die ohne Hilfe von außen ausgeglichene Bilanzen aufweisen. Der Wettbewerb in Europa würde ausgeglichener werden. Theoretisch zumindest. Denn die endgültige Einführung des Fairplays wurde bereits auf 2015 verschoben, erfolgt bislang nur schrittweise, die genauen Strafen bei Verstößen sind noch unklar. Ein Spielerberater hat bereits Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die neuen Regeln eingelegt. Manager wie Horst Heldt vom FC Schalke 04 sind skeptisch: „Nur die Deutschen werden sich wieder artig daran halten. Aber gerade die großen europäischen Vereine werden Modelle entwickeln, die Vorgaben zu umgehen.“ Er muss es wissen: Schalke ist selbst hoch verschuldet und hielt sich in der Vergangenheit mit einem Darlehen von den Stadtwerken Gelsenkirchen über Wasser.

Wird Deutschland jetzt auch Weltmeister?

Die Vergangenheit macht zumindest Hoffnung. Deutsche Nationalmannschaften, die über eingespielte Akteure aus zwei erfolgreichen Klubteams verfügten, profitierten meist von der Blockbildung. 1974 gewann Deutschland den WM-Titel mit Spielern von Bayern München und Borussia Mönchengladbach, die damals zu Europas Elite zählten. Den letzten deutschen Titel gab es bei der Europameisterschaft 1996 mit einem Bayern-Dortmund-Block. Auch die Spanier dominierten zuletzt mit zwei EM- und einem WM-Titel, weil sich die meisten Spieler schon aus Barcelona oder Madrid kannten. Allerdings hatte Bundestrainer Joachim Löw schon bei der EM vor einem Jahr viele Münchner und Dortmunder dabei – Italien war im Halbfinale aber trotzdem wieder mal zu stark. Aber vielleicht hilft es ja, wenn bei der Weltmeisterschaft in einem Jahr in Brasilien zumindest ein Teil der Mannschaft bereits Erfahrung mit großen Titeln hat, wenn also entweder die Münchner oder die Dortmunder als Champions-League-Sieger 2013 anreisen. Oder aber die Dauerrivalität zwischen beiden bringt statt einer Block- eine Grüppchenbildung und eine zerstrittene Mannschaft. Das ist das Schöne am Fußball: Es zeigt sich am Ende nur auf dem Platz.

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