Zeitung Heute : Deutsche-Bank-Affäre erreicht Vorstand

Ermittlungen gegen Co-Chef Fitschen / 500 Polizisten durchsuchen Zentrale wegen Betrugsverdachts.

Frankfurt am Main - Der Skandal um Steuerbetrug mit CO2-Emissionszertifikaten bei der Deutschen Bank hat den Vorstand erreicht. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu den 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre unter anderem wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wird, erklärte das größte deutsche Geldhaus am Mittwoch. Rund 500 Beamte von Bundeskriminalamt, Bundespolizei und Steuerfahndung hatten die Frankfurter Zentrale der Bank stundenlang durchsucht. Fünf Mitarbeiter des Dax-Konzerns sitzen seit der Razzia wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Vertuschung in Haft, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig sagte.

Die Deutsche Bank ist offenbar weit tiefer als gedacht in das millionenschwere Umsatzsteuer-Karussell verstrickt, das vor knapp drei Jahren aufgeflogen war. Fitschen und Krause sind nach Angaben der Bank ins Visier der Ermittler geraten, weil sie die Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Darin hatte das Institut 310 Millionen Euro Steuererstattungen geltend gemacht, die es nur wegen der Betrügereien beanspruchen konnte. Die Bank hatte die Erklärung später korrigiert und auf die Ansprüche „vorläufig verzichtet“ – nach Ansicht der Ermittler war das aber zu spät. „Anders als die Staatsanwaltschaft vertritt die Deutsche Bank die Auffassung, dass diese Korrektur rechtzeitig erfolgte“, hieß es in einer Mitteilung. Deutschland- Chef Fitschen führt den Konzern gemeinsam mit Anshu Jain seit Juni 2012.

Es war bereits die zweite Razzia bei der Deutschen Bank in der Steueraffäre. Als die Ermittlungen im Frühjahr 2010 Fahrt aufnahmen, war die Bank allerdings vor der Durchsuchung gewarnt worden. Diesmal habe es keine Anzeichen dafür gegeben, sagte Wittig. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft gegen sieben Banker und nur wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt. Doch nun hätten sich weitere Verdachtsmomente ergeben, sagte Wittig. „Es besteht der Verdacht, dass den Ermittlungsbehörden von Mitarbeitern der Bank Beweismittel vorenthalten und Geldwäscheverdachtsanzeigen nicht erstattet wurden“, hieß es in der Mitteilung der Behörde. Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt und Steuerfahndung ließen auch weitere Büros der Bank sowie Wohnungen in Berlin und Düsseldorf durchsuchen.

Die Auswertung der Unterlagen könne Monate dauern, erklärte Wittig. „Die Deutsche Bank kooperiert weiter vollumfänglich mit den Behörden“, sagte ein Bank-Sprecher. Das Geldhaus hatte den Handel mit Zertifikaten zur Luftverschmutzung aktiv gefördert, obwohl früh klar war, dass er von Händlern für Steuerbetrügereien missbraucht wurde. Das Institut hatte in diesem Jahr Finanzkreisen zufolge fünf Mitarbeiter wegen deren mutmaßlicher Verwicklung in diesen Fall suspendiert, aber nicht entlassen. rtr

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