Zeitung Heute : Deutsche bummeln nicht gerne online

ANDREAS FRAMKE

Das Internet gleicht immer mehr einem gigantischen Warenkorb.Ob Bücher, CDs, Autos, Möbel, Blumen oder Aktien - all das und mehr läßt sich bereits im weltumspannenden Datennetz kaufen.Dennoch üben sich viele potentielle Kunden noch in Zurückhaltung, wenn es darum geht, per Mausklick schnell ein Präsent zu ordern.Gerade die Deutschen hängen nach einer Anfang des Jahres veröffentlichten Untersuchung des Bielefelder Emnid-Instituts beim Online-Shopping im internationalen Vergleich weit zurück.Für die große Mehrheit der Bundesbürger ist der Einkauf via Maus und Modem nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln.

Und auch die Umsätze fallen im Vergleich mit dem Milliardengeschäft E-Commerce in den USA noch überaus gering aus: Nur knapp 420 Millionen Mark konnten Deutschlands Online-Shops 1998 umsetzen.Die größten Brocken entfielen mit rund 25 Millionen Mark auf das Hamburger Versandhaus Otto, gefolgt vom Erotik-Handel Beate Uhse mit sieben Millionen Mark.Nach Meinung von Experten hat dies zwei Gründe.Hohe Zugangs- und Telefonkosten und mangelndes Vertrauen in die Datensicherheit: Bislang haben Kaufwillige im Internet häufig nur die Möglichkeit per Kreditkarte zu bezahlen.Viele Kunden schrecken vor diesem Unsicherheitsfaktor zurück.Und wer auf Rechnung im Netz einkaufen gehen will, hat auch heute noch kaum Chancen bei den im Internet vertretenen Firmen.

Abhilfe könnte das sogenannte SET-Verfahren ("Secure Electronic Transaction") bieten: Statt für Datenräuber leicht knackbarer Kreditkartennummern stellt dann der Austausch einfacher Registriernummern zwischen heimischem PC und dem Rechner des Anbieters sicher, daß dieser auch zu seinem Geld kommt.Hier soll Mißbrauch nach Expertenmeinung so gut wie ausgeschlossen sein.

Die Verbände der Internetwirtschaft sind optimistisch.Das Kölner Electronic Commerce Forum eco prognostiziert eine Ausweitung des Internet-Marktes in der Bundesrepublik auf über fünf Milliarden Mark binnen Jahresfrist.Langsam scheinen die Deutschen auf den fahrenden Online-Zug aufzuspringen: Die Zahl der Internet-Anschlüsse jedenfalls stieg nach Informationen des Fachverbandes Informationstechnik bis Ende Februar auf rund 7,3 Millionen, gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres ein Plus von 32 Prozent.Die GfK- Medienforschung errechnete beim jüngsten Online-Monitor sogar 8,4 Millionen Internet-Anwender in Deutschland.

Gotthard Graß, Sprecher des Zentralverbandes Elektro- und Elektonikindustrie (ZVEI) sieht im elektronischen Handel die "Zukunftsbranche".Mehr noch als im Handel mit Endkunden würden die Geschäfte zwischen den Unternehmen künftig online abgewickelt - mit bislang ungeahnten Möglichkeiten."Business-to-Business" heißt das im Jargon der Branche.Beispielsweise könne ein Montageunternehmen im Internet binnen kürzester Zeit mehrere Angebote für Leuchten, vergleichen und diese dann beim billigsten und schnellsten Anbieter ordern.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben