Zeitung Heute : Deutsche Modegötter (4): Was Charlotte charlottig macht...

S.N.

Charlotte Roche ist so sehr Modegöttin, dass sie es schon zu einem eigenen Adjektiv gebracht hat: "charlottig". Wirklich charlottig kann aber nur sie selbst sein, denn das Besondere an der 23-jährigen Moderatorin des Musiksenders Viva2 ist, dass sie sich nicht in Klischees pressen lässt. Das dürfte gerade im Showbiz leichter gesagt sein als getan. Wo alle anderen versuchen, möglichst perfekt die Traumfrau (wessen eigentlich?) zu geben, macht sie, was ihr selbst in den Kram passt.

Doch das Charlottige an Charlottes Äußerem ist gar nicht in erster Linie ihr Lumpenfee-Look, mehrere Schichten immer schön übereinander, die Schuhe abgelatscht, alles second Hand erworben, und auch nicht ihr fantasievolles Make-up und die gesträubten Haare. Das wirklich Charlottige ist, dass die Welt nicht nur über ihre Piercings und Tattoos und deren örtliche Lage Bescheid weiß, sondern auch über ihren toten Zahn, ihre (eigene Aussage) hässlichen Füße und ihren Achselschweiß. Denn Charlotte steht auf Authentizität.

In einer Welt, in der Haare an Frauenkörpern immer weniger akzeptiert werden (bis aufs Haupthaar natürlich, das wiederum voll und wallend zu sein hat), hält sie ihre unrasierten Achseln in die Kamera. Das mag nicht besonders appetitlich sein. Aber welche revolutionären Akte sind das schon? Charlotte steht für das Recht, man (oder vielmehr frau) selbst zu sein, egal, wer die Nase rümpft. Es lebe das Charlottige! Beziehungsweise das Sabinige, Reginige, Heikige, Evige, Katharinige ...

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