Zeitung Heute : Deutsche Musikindustrie: Phonoverband gegen Online-Piraterie

Henry Steinhau

Im dritten Jahr in Folge musste die deutsche Musikindustrie einen Rückgang von Umatz und Tonträgerverkäufen vermelden, sieht die Hauptschuld daran aber nicht bei den eigenen Produkten sondern bei Online-Nutzern und CD-Brennern. Das gab der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Hamburg bekannt.

Seine Mitgliedsfirmen, die im Jahr 2000 etwa 93 des deutschen Musikmarktes repräsentierten, setzten 4,78 Milliarden Mark um und verkauften rund 262,2 Millionen Tonträger, was einem Minus von 2,2 beziehungsweise 3,8 Prozent entspricht. Laut Phonoverband-Vorsitzendem Thomas Stein sei das Umsatzergebnis aber dennoch als Erfolg zu werten. Er sieht in einer "Flutwelle von Internet-Piraterie und der ausufernden privaten Vervielfältigung mit Hilfe von CD-Brennern" die Hauptursachen des anhaltenden Abwärtstrends.

Auf etwa 300 Millionen Mark schätzt der Phonoverband den Schaden, den Online-Piraterie in Deutschland im vergangenen Jahr angerichtet habe. Dazu kämen weitere 250 Millionen aus der sogenannten "Schulhof-Piraterie", also dem illegalen Weiterverkauf von privat "gebrannten" Vervielfältigungen sowie 98 Millionen Mark durch "traditionelle Piraterie". Dennoch ließ Stein durchblicken, dass die Diskussion um Internet-Musik-Tauschbörsen, wie Napster, der Musikindustrie nicht nur geschadet hätten: "Wir können froh sein, dass durch Napster über uns und unsere Produkte geredet wird".

Die Legalisierung von Napster, die durch den Geld gebenden Kooperationspartner Bertelsmann angestrebt werde, sei ein Schritt in die richtige Richtung. "Für Preisdiskussionen ist es noch zu früh, aber die Verbraucher werden sich jetzt damit auseinandersetzen müssen, für Musik im Internet auch zu bezahlen", betonte Stein. Neben der Einführung und Etablierung von Kopierschutzmechanismen setzt die Musikindustrie auch auf eine "Right Protection System" genannte Technologie, die schon jetzt das Aufspüren und rechtliche Verfolgen illegaler Angebote im Netz ermögliche. Auf der anderen Seite streitet der Verband um eine Erhöhung der Vergütungsabgaben auf digitale Leermedien (CD-R/CD-RW) sowie auf entsprechende Aufnahme- und Abspielgeräte. Hier müsse man, so Wolf-Dieter Gramatke vom Weltmusikverband Ifpi, erneut auf die Gegenseite zugehen, die Hard- und Software-Hersteller.

Erst kürzlich hätten diese im Rahmen eines Musterprozesses gegen Hewlett-Packard die Annahme eines gerichtlichen Vergleichs wie einer außergerichtlichen Einigung abgelehnt.

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