Zeitung Heute : Deutsche Welle: Ein neuer Intendant in bewährter Tradition

Joachim Huber

"Kontinuität und Aufbruch" hat Erik Bettermann, der neugewählte Intendant der Deutschen Welle (DW), sich und dem Auslandsrundfunk aufgegeben. Eine Kontinuität hat sich mit der Ernennung des Staatsrats, der das Land Bremen beim Bund vertritt, bereits eingestellt: Mit dem 57-jährigen Sozialdemokraten wurde in guter alter DW-Tradition die jeweilige Bundesregierung an der Senderspitze abgebildet. Bettermann beeilte sich bei einer Pressekonferenz in Berlin, dem Klischee der Partei-Patronage entgegenzutreten: "Ich bin niemandes Erfüllungsgehilfe". Bettermann erhielt vom Rundfunkrat im dritten Wahlgang zehn Stimmen. Sabine Rollberg, Arte-Beauftragte in der WDR-Fernsehdirektion, bekam in der letzten Runde sieben Stimmen.

Erik Bettermann, der sich selbst als "gut vernetzt" bezeichnete, ist kein "Ortsfremder" in der Deutschen Welle, er gehört dem Verwaltungsrat seit 1994 an. Immerhin, Bettermann will einigen Problemen des Auslandsrundfunks an die Wurzel. Zunächst soll das Haus selbst eine breite Diskussion darüber anschieben, welches Deutschlandbild verbreitet werden soll. "Wenn wir wissen, was wir wollen, dann können wir uns auch den Kopf über die Finanzierung zerbrechen." Bei aller vom gelernten Journalisten betonten "Staatsferne" - "wir sind auch nicht der Propagandasender des Auswärtigen Amtes" - will er an der Finanzierung aus dem Bundeshaushalt nicht rütteln; was er ändern will, ist die Festsetzung des Finanzbedarfs. Bettermann möchte einen Etat, der sich nicht von Jahr zu Jahr ändert, "sondern Planungssicherheit über eine volle Legislaturperiode". Die Etatentwürfe prüfen soll die KEF, die auch ARD und ZDF prüft.

Allen Plänen, die gewünschte Zusammenarbeit mit ARD und ZDF zu institutionalisieren, erteilte der neue Intendant eine Absage. "Eine Körperschaft wird es nicht geben". Ein klares Ja gab es aber zur erweiterten Kooperation mit den öffentlich-rechtlichen Sendern, wie sie beim angekündigten Pay-TV "Deutschland-Kanal" funktionieren soll.

Der Sender strahlt in Köln Radioprogramme in 29 Sprachen aus. In Berlin produziert Deutsche Welle TV Programme in Deutsch, Englisch und Spanisch. Das Online-Angebot steht vor dem Ausbau.

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