Deutscher Schäferhund : Ausgedient, ausgetauscht

Nun, da die Welt sich mit Hingabe der flüchtigen und untergetauchten Yvonne widmet, diese auch Avnish Kumar Lugani, den Präsidenten des Berliner Sri Ganesha Hindu Tempels mit dem Hinweis, die Kuh sei kein Tiger oder Löwe, auf den Plan rief, sei eine Lanze zu brechen für die Nachfahren von Horand und Mari von Grafrath. „Ein Lebewesen hat das Recht zu leben“, sagte Avnish Kumar Lugani, weswegen die harmlose Yvonne auf keinen Fall zum Abschuss freizugeben sei. So viel Anteilnahme am Schicksal der verwirrten Yvonne ist löblich und rührend und für einen Hindu auch selbstverständlich. Aber wer kümmert sich um derer von Grafrath und um die aus der Linie des Luchs von Sparwasser? Kein Schwein, um im animalischen Terrain zu bleiben. Der alte Adel, er ist auf den Hund gekommen.

Horand von Grafrath und Luchs von Sparwasser waren die Stammväter, Mari von Grafrath die Stammmutter des Deutschen Schäferhundes. Über ein Jahrhundert lang war uns der Deutsche Schäferhund ein treuer Begleiter, „vom Wesensbild her ausgeglichen, nervenfest, selbstsicher, absolut unbefangen und (außerhalb einer Reizlage) völlig gutartig, dazu aufmerksam und führig“, wie es in den Rassevorschriften heißt. Dass natürlich Blondi einen gewissen Imageschaden schuf, soll nicht unerwähnt bleiben. Wie auch nicht die Position derjenigen, die die Katze bevorzugen und für die der Deutsche Schäferhund gerade wegen seiner Lernwilligkeit und Führigkeit der Inbegriff der Unterwürfigkeit ist, sozusagen der Pickelhaubenhund, devot bis in die Pfote, stets zu Diensten seines Herrn. Undank hat er dennoch nicht verdient.

Doch den erntet er gerade. Die Polizei von Nordrhein-Westfalen schafft ihn als Diensthund ab, andere Bundesländer sind auf dem gleichen Weg und ersetzen ihn durch billigere belgische Schäferhunde. Wäre das allein eine Kostenfrage, man könnte es noch durchgehen lassen, weil auch im Hundereich Fremdenphobie fremd sein sollte. Der wahre Grund aber ist ein anderer: Die Belgier gelten dem Vernehmen nach trotz ihrer fettigen Pommes mit Mayo als mutiger und belastbarer, gesünder und entschlossener. Und nun gehören all die von Grafraths und von Sparwassers zum alten Eisen. Hart ist das Leben auch eines Schäferhundes. Interessant wäre es zu erfahren, wer eigentlich für die Hütung von Yvonne zuständig war. Sollte nicht wundern, wenn da ein belgischer Schäferhund nicht aufgepasst hat.Helmut Schümann

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