Zeitung Heute : Deutschlandradio klagt gegen Denkmalschutz

Reinhart Bünger

Die Geschäftsleitung des Deutschlandradios bemüht sich seit Jahren mit Rechtsmitteln um die Option, die Embleme des RIAS Berlin vom Berliner Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz zu verbannen. Entsprechende Informationen des Tagesspiegel bestätigte am Dienstag auf Anfrage Deutschlandradio-Justiziar Dieter Stammler. Wie erst jetzt öffentlich wird, hat Deutschlandradio, 1994 hervorgegangen aus den früher eigenständigen Sendern RIAS Berlin, Deutschlandsender Kultur und Deutschlandfunk, bereits am 5. Januar 1998 Klage eingereicht - mit dem Ziel, die RIAS-Schriftzüge vom Denkmalschutz auszuklammern. Die Klage ging jedoch erst am 15. März dieses Jahres in erster Instanz vor dem Berliner Verwaltungsgericht verloren. Die Urteilsbegründung liegt noch nicht vor.

Das Deutschlandradio will sich den Gang in die nächste Instanz jedoch offen halten, um den alten Firmennamen endlich vom Sende-Sims zu kippen. Bereits zur Jahreswende 1995/1996 hatte der Streit um die RIAS-Leuchtschrift für heftige Emotionen gesorgt. Damals machte diese Zeitung den Entwurf eines Architekten bekannt, der in seiner neuen Fassadengestaltung mit einer Ausnahme auf die RIAS-Zeichen der Zeit verzichtete und nur die Insignien der neuen Geschäftsführung unter Ernst Elitz auf dem Dach sah. Ein "Deutschlandradio"-Schriftzug wurde schließlich montiert, doch mussten die alten RIAS-Zeichen stehen bleiben, da der Denkmalschutz intervenierte. In einer erhitzt geführten Debatte ergriff Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen Partei - gegen die Pläne von Deutschlandradio-Intendant Ernst Elitz. "Zur Tradition gehört auch das RIAS-Signet auf dem Dach des Hauses am Hans-Rosenthal-Platz", ließ Diepgen im Februar 1996 wissen. Damit war der Drahtseilakt der Deutschlandradio-Geschäftsführung um die blaue Leuchtschrift jedoch noch nicht zu Ende. Anfang 1998 blieben die RIAS-Leuchtzeichen plötzlich dunkel - "um so die Werbewirkung für Deutschlandradio zu erhöhen". Das Erbe der prominenten Hörfunkanstalt ("Eine freie Stimme der freien Welt") sollte offenbar verblassen.

Die Argumente gegen den Schriftzug seien grundsätzlicher Natur, sagte Justiziar Stammler am Dienstag. "Wir gehen davon aus, dass wir Rechtsnachfolger des RIAS sind, aber wir sind nicht verpflichtet, den Namen RIAS weiterzuführen." Die Programme hätten schließlich keinen "inneren Zusammenhang" mit den Sendungen der Vorläuferstationen. Zudem könne er sich "nicht vorstellen, dass andere Unternehmen die Namen von früheren Unternehmen weiterführen würden". Die Angelegenheit müsse geklärt werden.

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