DEUTSCHROCK Herbert Grönemeyer : Im Heimathafen der Gefühle

Der Herbert. So’n Guter. Dem kann man gar nichts übel nehmen. Dass er nicht tanzen kann: geschenkt. Dass er, wie er unlängst bei der Echo-Gala bewies, an einem schlechten Abend auch nicht singen (aber dafür immerhin brüllen) kann: Was soll’s. Herbert Grönemeyer ist und bleibt Deutschlands größter Rockstar, da kann Westernhagen im Dreieck springen und Udo traurig unterm Hut hergucken. Okay, das war er nicht immer. Fing ganz klein mit ein paar missglückten, schüchternen Schlager-Liedermacher-Platten an, die er bis heute nicht wiederveröffentlichen lässt (wie übrigens Westernhagen auch). So dass man sich beim Wühlen in Flohmarktkisten ab und an beömmelt beim Anblick des ganz jungen Prä-„Boot“- und Prä-„Currywurst“-Grönemeyer.

Und dann kam „Männer“. Traf den Nerv einer ganzen Generation (und war, nebenbei, ein toller, astreiner Rock-Hit). Reflektierte auf eine für den Humor beider Geschlechter kompatible Weise das Dilemma der Emanzipationsbewegung, die seinerzeit, 1984, die bundesrepublikanische Gesellschaft aufmischte. Herbert sang dieses und viele weitere schöne, lustige oder nachdenkliche Lieder vor immer mehr Menschen. War ein Superstar, den Deutschland nicht gesucht, aber gefunden hatte. Zog irgendwann nach London, wo ihn keiner auf der Straße erkannte. Dann starben, innerhalb von drei Tagen, sein Bruder Wilhelm und seine Frau Anna. Darüber schrieb Herbert seine schönsten, seine allertraurigsten Lieder. „Mensch“ wurde in Deutschland zum erfolgreichsten Album aller Zeiten. Neun Jahre später will Herbert Grönemeyer endlich wieder rocken. Die Platte dazu heißt „Schiffsverkehr“. Nicht jeder hält sie für ein Meisterwerk. Na und? Herbert, wir freuen uns auf dich.Jörg Wunder

Olympiastadion, So 5.6., 19 Uhr, ab 52 €

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