Zeitung Heute : Dialog der Kontinente

EFB-Wissenschaftler ziehen bei der Ausbildung für Pflegeberufe an einem Strang mit Kollegen aus Afrika

Matthias Manych

Das in den Nachrichten gezeichnete Bild von Afrika ist meist geprägt von Armut, Bürgerkriegen, Hungersnöten, Bildungsmangel oder Aids – und ist damit richtig und falsch zugleich. In jedem Fall aber ist es zu unscharf. Denn die Wirklichkeit kristallisiert sich oft erst durch intensive Kontakte und enge Zusammenarbeit mit den Ländern des afrikanischen Kontinents heraus. Hierfür engagiert sich die Evangelische Fachhochschule Berlin (EFB), zum Beispiel im Bereich Pflegewissenschaft ihres Studiengangs Pflege und Pflegemanagement.

Gemeinsam mit fünf Universitäten im südlichen Afrika wird an der Verbesserung der Hochschulausbildung für Gesundheitsberufe gearbeitet. Schwerpunkt ist die Qualifizierung für die Bekämpfung von HIV-Infektionen und Aids-Erkrankungen. Das Projekt wird vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) innerhalb des Programms „Dialog über Strategien für die Hochschulausbildung“ (DIES – Dialogue on Higher Education Strategies) finanziert.

Angefangen hat alles an der Africa University in Mutare, einer der kleinen Provinzhauptstädte in Simbabwe. Hier sollten neue Bachelor-Studiengänge wie Pflegewissenschaft und Public Health eingerichtet werden, und man wollte Kenntnisse mit bereits etablierten Studiengängen nutzen. Aufgrund fachlicher Erfahrungen und persönlicher Kontakte landete eine entsprechende Anfrage aus Mutare auf dem Schreibtisch von Olivia Dibelius, Professorin für Pflegewissenschaft und Pflegemanagement an der EFB. Dank des gut funktionierenden Netzwerks zwischen den Partnern konnte Ende 2002 ein Kooperationsvertrag unterzeichnet und 2004 der Lehrbetrieb in den neuen Studiengängen aufgenommen werden. Doch das war erst der Anfang.

In der Folge wurde mit weiterer Unterstützung des DAAD die Zusammenarbeit fachlich ausgebaut, neue Kooperationsmöglichkeiten wurden analysiert. 2005 schließlich startete DIES. Das Programm dient einerseits der Netzwerkbildung mit weiteren südafrikanischen Ländern. Andererseits geht es um die gemeinsame Entwicklung von Lehrplänen für Pflegeberufe. „Dabei haben unsere afrikanischen Kollegen inhaltlich oft einen Vorsprung, denn die pflegewissenschaftlichen Erfahrungen südafrikanischer Universitäten sind traditionell sehr groß“, erklärt Olivia Dibelius.

Beim Schwerpunkt HIV und Aids müssen angehende Absolventen der Pflegewissenschaft und Public Health die Kette von Prävention, Therapie und Rehabilitation bis hin zum Versorgungsmanagement und der palliativen Pflege lernen. „Es wird vermittelt, was zu einer guten palliativen Pflege von Aids-Patienten gehört, wenn die jeweiligen lokalen Rahmenbedingungen und kulturellen Aspekte beachtet werden,“ nennt Dibelius ein Beispiel aus dem Lehrangebot. In Afrika bedeutet das unter anderem lange Fahrten zu den Betroffenen auf dem Land und die Zusammenarbeit mit den Autoritäten des Dorfes wie Pfarrer und Heiler. Neben den praxisorientierten Themen geht es auch um methodische Fragen effektiver Hochschulausbildung oder die Bewertung der Lehre sowie um problemorientiertes Lernen. Dabei sollen Studierende selbstständiger arbeiten und Lehrende sie dabei begleiten.

Die gemeinsame Entwicklung der Hochschulausbildung wurde während der vergangenen sechs Monate auch mit den neuen Partnern aus Namibia, Malawi, Mosambik und Südafrika begonnen. Im Juni dieses Jahres werden alle Beteiligten in Mutare an einem Tisch zusammenkommen. Und obwohl das DIES-Programm 2008 mit einer großen Forschungskonferenz offiziell zu Ende geht, ist sich Dibelius sicher: „Das Netzwerk und die Kooperationen werden weiter fortbestehen.“

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