Zeitung Heute : Die 12-Buchstaben-Diät

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Diät! Schon das Wort jagt einem Schauer über den Rücken. Der Blick in die Bestsellerlisten zeigt, dass sich vermutlich Millionen mit dem Wunsch tragen, abzunehmen – frei nach Atkins, der South-Beach-Diät oder den Weight Watchers zum Beispiel. Am besten mit dem Motto „Schlemmen Sie sich schlank“. Dabei ist der beste Diät-Ratgeber nur zwei Wörter lang: weniger essen!

Weniger essen? Zugegeben, das klingt trivial. Auf diesen zwölf Buchstaben kann man kein Diät-Imperium aufbauen, keinen Konzern, der reich wird am Fett seiner Mitmenschen. Aber das Prinzip „Weniger ist mehr“ hat durchaus einen tieferen Sinn. Denn schon lange weiß man aus Tierversuchen, dass Hungern in Maßen das Altern verlangsamen kann. Die Frage war nur: Hilft das, was Ratten, Mäusen, Fischen, Würmern und Insekten nützt, auch uns Menschen? Lebt länger, wer weniger isst?

Nun, es sieht ganz danach aus. Luigi Fontana von der Washington-Universität in St. Louis hat Menschen untersucht, die freiwillig weniger essen als andere. Sie gehören einer 900 Mitglieder umfassenden amerikanischen Gesellschaft an, die ständig an der Hungergrenze leben. Die männlichen Mitglieder der „Caloric Restriction Optimal Nutrition Society“ essen weniger als 2000 Kalorien am Tag, die Frauen sogar weniger als 1500. Zum Vergleich: ein normaler Amerikaner kommt auf 2000 bis 3500 Kalorien.

Das Ergebnis der Untersuchung, das nun im US-Fachblatt „PNAS“ veröffentlicht wurde, fiel eindeutig aus. Der Blutdruck der Hungerkünstler entsprach dem niedrigen Wert eines Zehnjährigen, Cholesterin- und Körperfett-Werte waren ebenfalls im Keller, die Schlagadern von jugendlicher Elastizität. „Wer langfristig die Kalorienaufnahme verringert, scheint einen deutlichen Schutz vor Arterienverkalkung zu besitzen“, lautet das Fazit der Wissenschaftler.

Allerdings erfolgte die Untersuchung nur an wenigen Personen, zugleich steht der letzte Beweis – weniger Krankheiten und Todesfälle bei den Dünnen, nicht nur bessere „Laborwerte“ – noch aus. Vor allem aber halten nur wenige die Askese auf Dauer durch. Aber wer hat gesagt, dass gleich alles perfekt sein muss? Auch wer anfangs nur moderat auf die Kalorien-Bremse tritt, tut sich schon etwas Gutes.

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