Zeitung Heute : Die Abhängigkeit und ihre Ursachen

-

„Jeder Trieb oder jedes Interesse eines Menschen kann süchtige Dimensionen annehmen“, schreibt der Basler Suchtforscher Dieter Ladewig.

Körperliche Abhängigkeit kann sich gegenüber einer Substanz entwickeln, die auf das zentrale Nervensystem wirkt. Dabei unterscheidet man zwischen beruhigender, halluzinogener und stimulierender Wirkung. Die Sucht entsteht einerseits durch positive Erfahrungen mit den Veränderungen der Stimmung und des Erlebens, die die Substanzen bewirken, andererseits durch negative Wirkungen bei deren Fehlen, dem „Entzug“. Zur körperlichen Abhängigkeit gehört das Phänomen der „Toleranz“: Um die Wirkung zu erreichen, sind nach und nach immer höhere Dosierungen des Suchtmittels nötig. Die neurobiologischen Grundlagen der Sucht wurden zuerst anhand der Opiode untersucht. Forscher haben festgestellt, dass die Entwicklung von körperlicher Abhängigkeit auch mit genetischen Unterschieden in Zusammenhang steht, etwa in der Ausstattung mit Transportmolekülen für HirnBotenstoffe wie Dopamin und Serotonin.

Die psychische Abhängigkeit ist davon nicht fein säuberlich abzugrenzen: Sie äußert sich im starken Wunsch, die positiven Erfahrungen, die mit dem Konsum von Drogen verknüpft sind, zu wiederholen.

Dieser Aspekt findet sich auch bei Suchtformen, die nicht an Substanzen gebunden sind: beispielsweise Spielsucht. Natürlich kann man sich fragen, ob es sinnvoll ist, alles mit „Sucht“ in Verbindung zu bringen, wovon Menschen nicht genug bekommen können. Der inflationäre Gebrauch des Begriffs droht zur Bedeutungsleere zu führen. Andererseits sind die Symptome oft so ausgeprägt, dass die Betroffenen darunter leiden und Abhilfe suchen. Jeder vierte Westdeutsche hat Probleme, sein Kaufverhalten zu kontrollieren oder setzt es beispielsweise ein, um Frustrationen bei der Arbeit oder in der Partnerschaft zu kompensieren. Eine Psychotherapie ist dann oft schon deshalb dringend nötig, weil wirtschaftlicher Ruin droht.

Die Bezeichnungen „Magersucht“, „Ess-Brech-Sucht“ und „Esssucht“ bringen die Esstörungen mit der Sucht in Verbindung. Die Anorexia nervosa beginnt häufig mit einer harmlosen Diät eines jungen Mädchens. Dann kommt es vom Hungern und dem Hochgefühl des Siegs über die eigenen Bedürfnisse nicht mehr los. Die notwendige Therapie schließt oft die Behandlung einer Depression mit ein. aml

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben