Zeitung Heute : Die Abrafaxe haben eine neue Heldin

Der Tagesspiegel

Von Simone Leinkauf

Strubbelige Haare, blaue Augen und ein spitzbübisches Lächeln auf dem Gesicht: im letzten Dezember-Heft des Comic-Magazins „Mosaik“ ging eine Blondine im rosa Outfit in Ellis Island an Land, neben sich einen Koffer mit der Aufschrift Falkenberg. Mit an Bord waren Abrax, Brabax und Califax, die drei Comic-Helden aus dem Osten, die es in ihrem aktuellen Abenteuer in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verschlagen hat. Im Februar- und Märzheft des „Mosaik“ landet die hübsche Blondine sogar auf der Titelseite und hat auch im Heft so einiges zu tun.

Auf den ersten Blick scheint das nichts Besonderes zu sein. Schließlich begegnen die Abrafaxe bei ihren Abenteuern immer mal wieder Leuten, mit denen sie vorher nichts zu tun hatten. Doch die blauäugige Blondine gibt es tatsächlich – und sie kommt auch im wirklichen Leben aus dem brandenburgischen Falkenberg im Elbe-Elster-Kreis. Ihr richtiger Name ist Marlen Wagenmann.

Doch wie schafft man es von der Schulbank einer 10. Klasse auf die Titelseite eines der beliebtesten und renommiertesten Comics des Landes? Schauspielunterricht hat Marlen keinen absolviert, da schüttelt die 16-Jährige verneinend den Kopf. Aber für die Fotografen hat sie sich in Positur gestellt und zuvor ein Quiz zum fünfundzwanzigsten Geburtstag der Abrafaxe gewonnen. Ihr erster Preis: Die Abrafaxe-Macher schrieben und zeichneten die Quiz-Gewinnerin in das aktuelle Amerika-Abenteuer der drei kleinen Helden ein.

Ein verdienter Lohn, denn schließlich wusste die junge Brandenburgerin eine Menge über die drei Abrafaxe und die anderen Comic-Helden: mit dem Marchese Ferrando Esteban Carotto Ruinez Totales en des Tillas Randales Festos ist Marlen Wagenmann ebenso vertraut wie mit dem Orang Laut. Die Brandenburgerin wusste, in welchem Heft die Abrafaxe zum letzten Mal ihre legendären braunen Lederwämse trugen und wie das Schiff hieß, mit dem die drei nach Mallorca segelten.

Dabei war die blonde Marlen noch nicht einmal geboren, als die Abrafaxe 1976 erstmals auf eine Zeitreise gingen. Vor fünf Jahren fand sie bei ihren Großeltern eine eingestaubte Sammlung von Mosaikheften – und begann begeistert zu lesen. Seitdem hat sie das Comiclesen zu ihrem speziellen Hobby erklärt – und die Abrafaxe zu ihren ständigen Begleitern. Und als dann Mitte September 2001 die Zusage kam, dass sie als Kandidatin für das Abrafaxe-Quiz ausgewählt worden sei, vergrub sie sich für fünf Tage in den alten Heften: „Mehr Zeit hatte ich nicht, da ich vor dem Quiz auf einer Klassenreise war“, erinnert sie sich. Geklappt hat es dennoch, auch wenn Marlen in den Fragerunden hin und wieder ins Grübeln kam: „Aber hinterher hatte ich das Gefühl, dass ich eigentlich nur gewinnen konnte. Und nun geht ihr Comic-Double also nach Amerika.

Für Marlen Wagenmann, die im Mosaikheft Marlen Carmen heißt, ist das ein Traum, den sie sich auch im richtigen Leben nach der Schule erfüllen möchte. Vielleicht im Rahmen einer Ausbildung oder auch nur so zum Schnuppern. Eines jedenfalls weiß die Schülerin sicher: „Ich will viel von der Welt sehen und möglichst viel reisen.“ Als Marlen Carmen ist sie in der neuen Welt schon angekommen – mit einem Koffer aus Falkenberg.

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