Zeitung Heute : Die Ägypter wollen einen neuen Präsidenten

Druck auf Militär wächst / Neue Ausschreitungen Türkei lehnt Todesstrafe für Mubarak ab.

Kairo/Istanbul - Ein Jahr nach dem Sturz von Machthaber Hosni Mubarak wächst der Druck auf den regierenden Militärrat, die Macht abzugeben. Die Protestbewegung fordert angesichts der fortwährenden Gewalt, dass rasch ein neues Staatsoberhaupt gewählt wird. Am Samstag gab es in der Nähe des Innenministeriums in Kairo erneut Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Bei zweitägigen Krawallen in mehreren Städten sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen.

Die Protestbewegung verlangt, dass die Generäle abtreten und ein neuer Staatschef gewählt wird. Die Zeitung „Al Tahrir“ titelte: „Das Land will einen Präsidenten“. Vorgesehen ist eigentlich, dass zunächst eine neue Verfassung entworfen und dann im Juni ein neuer Präsident gewählt wird. Bis dahin will die Protestbewegung aber nicht warten.

Ruhe kehrte vorerst nicht ein. In der Kairoer Innenstadt kam es immer wieder zu Scharmützeln mit der Polizei. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden mehrere Autos beschädigt, einige Läden mit Brandbomben attackiert. Abgesehen von den Brennpunkten war das Zentrum der Millionenstadt weitgehend menschenleer. Viele Bewohner blieben aus Angst vor weiteren Gewaltausbrüchen zu Hause. Die Proteste begannen, nachdem am Mittwoch bei einem Erstligaspiel in der Stadt Port Said bei Ausschreitungen 74 Menschen ums Leben gekommen waren. Fußballfans warfen der Polizei vor, nicht eingegriffen und weggeschaut zu haben, als Spieler und Anhänger des Kairoer Klubs Al Ahli attackiert wurden. Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs verantwortlich. Gerüchte kamen auf, dass die Krawalle auf dem Spielfeld von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden, um Chaos zu stiften.

Seit Donnerstagabend starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums sieben Menschen in Kairo und fünf in der Hafenstadt Suez. Mehr als 2000 Menschen wurden nach Schätzungen der Behörde verletzt. Noch vor einer Woche, am 25. Januar, hatten die Ägypter den ersten Jahrestag des Beginns der Proteste gefeiert. Diese hatten am 11. Februar 2011 schließlich zum Sturz von Mubarak geführt.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sprach sich am Samstag strikt gegen eine Hinrichtung des in Kairo angeklagten ägyptischen Ex-Präsidenten aus. Zwar gebe es im Nahen Osten keinen Platz mehr für Regime wie in Ägypten, Syrien oder Libyen, sagte Davutoglu in einem Interview. Doch sei die Türkei bei der juristischen Aufarbeitung gegen die Todesstrafe. „Neben den humanitären Gründen ist dies auch eine Frage der Prinzipien“, sagte Davutoglu. Sein Land habe die Todesstrafe abgeschafft. „Eine Hinrichtung Mubaraks hielte ich aber auch für falsch mit Blick auf den sozialen Frieden in Ägypten“, sagte er. dpa

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