Die Akteure in Nordwestafrika : Netzwerke mit eigenen Gesetzen

Die Krise in Mali macht die instabile Lage in der gesamten Region deutlich. Das machen sich kriminell-terroristische Netzwerke zunutze. Die Nachbarstaaten Malis sind alarmiert.

AQIM: Al Qaida im Islamischen Maghreb. Die Gruppe hat sich in Algerien gebildet und ist in nahezu alle illegalen Geschäfte in der Sahara verwickelt. Nun mehren sich die Zeichen, dass AQIM auch eine politisch-islamistische Zielsetzung nicht nur behauptet, sondern auch verfolgt.

Ansar Dine: Islamistische Tuareg- Miliz. Ansar Dine will keinen eigenen Tuareg-Staat, sondern in ganz Mali eine strenge Auslegung des islamischen Rechts Scharia durchsetzen. Ansar Dine ist mit AQIM verbündet. Chef der Gruppe ist der Anführer des Tuareg-Aufstands bis 2006, Iyad Ag Ghali.

MNLA: Nationale Befreiungsbewegung für Azawad. Die Gruppe rekrutiert sich vor allem aus Tuareg- Kämpfern, die bis Ende 2011 in der Armee des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi gekämpft hatten. Angeführt wird die Gruppe von Bila Ag Scherif und Mohammed Ag Nadschim. Die MNLA hat im Norden Malis den unabhängigen Staat Azawad ausgerufen.

Mohamed Ould Abdel Aziz: Präsident von Mauretanien. Er stürzte 2008 den demokratisch gewählten Präsidenten mit einem Militärcoup. Dann ließ er sich 2009 zum Präsidenten wählen. Er kooperiert mit den USA und Frankreich im Kampf gegen das Terrornetzwerk AQIM, was ihn vor Kritik wegen seiner mangelhaften demokratischen Bilanz weitgehend verschont. Außerdem gehört Mauretanien neuerdings zu den ölerzeugenden Ländern und kooperiert seit Jahren mit der europäischen Flüchtlingsabwehrbehörde Frontex.

Mahamadou Issoufou: 2011 in einer demokratischen Wahl gewählter Präsident des Niger. Nach einem Militärcoup im Niger 2010 gelang dem Land der Übergang zur Demokratie nach Einschätzung von Beobachtern ganz gut. Niger gehört wie Mali zu den ärmsten Ländern der Welt, ist aber einer der größten Uran-Erzeuger. Die Uran-Minen sind aber fast vollständig in der Hand des französischen Atomkonzerns Areva. Das Uran-Geschäft hat die soziale Lage kaum verbessert. 2005 und 2010 litt Niger unter dramatischen Hungersnöten. Auch 2012 wird mit einer schweren Nahrungsmittelkrise gerechnet, die dadurch verschärft wird, dass mehr als 200 000 Flüchtlinge aus dem Norden Malis sich nach Niger geflüchtet haben. Tausende weitere sind in Mauretanien und Burkina Faso untergekommen.

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