Zeitung Heute : Die Alpenrepublik boomt nach wie vor

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Schwacher Sommer, starker Winter - oberster Tourismuswerber vor Ablösunggws

Ein Bad zu zweit im Biersud und anschließendes Kuscheln auf Haferstroh gehört zu den Touristen-Exklusivangeboten Österreichs in diesem Jahr. Die "Erfinderin" des Vergnügens ist Moorhof-Wirtin Hedwig Bauer im oberösterreichischen Franking. In Berlin demonstrierte die resolute Dame neulich, wie es klappt: Sie steckte einen Burschen aus dem Salzkammergut nackt in einen braunen Zuber mit wohlig-warmen Gebräu aus Maische und Hopfenduft. "Frau oder Freundin müssen sich die Touristen mitbringen", sagt sie schmunzelnd.

Das Bierbad sei nur "eine von tausend Möglichkeiten", wie man in den neun Bundesländern individuell Urlaub machen könne, sagt Fritz Bauer, Chef der Österreich Werbung in Berlin. In einer großangelegten Kampagne in Deutschland und anderen EU-Ländern wird Austria auch in diesem Jahr über Berge, Seen und Städte informieren.

Die Kritik des Auslands an FPÖ-Politiker Jörg Haider und der Regierung in Wien unter Beteiligung der "Freiheitlichen" werde ernst genommen, sagt Bauer. Dass Österreich für Urlauber nicht ein "Haider-Land" ist, machten Touristen bei Umfragen klar: Was zähle, seien "die einzigartige Landschaft, die Herzlichkeit und die guten Preise".

Der Statistik nach boomt der Tourismus weiter. 1999 sei mit einem Einnahmenrekord von mehr als 28,57 Milliarden Mark zu rechnen, heißt es. Die Österreich-Werber sagen es nicht gern, aber die Statistik zeigt auch: Der Sommer war längst nicht so gut wie erwartet, der Österreich-Tourismus profitierte 1999 insbesondere von einem hervorragenden Wintergeschäft. Stabilisierend erweist sich für Österreich allerdings, dass rund 65 Prozent der Touristen Stammkunden sind. Sie machen seit Jahrzehnten Urlaub in der Alpenrepublik.

Als Konkurrenz zum bayerischen Bad Füssing bei Passau trumpft Österreich nun mit der neuen Therme Geinberg auf. Sie liegt, getrennt durch den Inn, lediglich einige Kilometer südlich von Füssing und bezeichnet sich als die "derzeit modernste Thermenanlage in Österreich". Ein Geschäft mit dem Wasser will auch Österreichs erste Farblichttherme in Bad Schallerbach in der Region Innviertel-Hausruckwald machen. Neben diesen besonders hervorgehobenen Einrichtungen setzt Österreich auf den "Dauerbrenner" Wien und vor allem auf seine Natur: Wintersport, Bergwandern, Urlaub auf dem Bauernhof, Radfahren, Wassersport.

Um dem Angebot gewissermaßen die Spitze aufzusetzen, wird in Haiders Bundesland Kärnten der 200. Jahrestag der Erstbesteigung des Großglockners gefeiert. Der 3797 Meter hohe Gipfel der Ostalpen ist zugleich der höchste Berg Österreichs. Zum Fest am 28. Juli wird nicht zuletzt auch Landeshauptmann Haider erwartet. Bei anderen Anlässen wie Ausstellungen, Konzerten, Trachtenfesten und Kongressen in den mehr als 80 Ausflugszielen Kärntens wird Haider wohl ebenso anzutreffen sein.

Wer solchen Rummel nicht mag, kann Urlaub im Kloster machen. "Österreich zählt unbestritten zu den bedeutendsten Kulturnationen der Welt", sagt Michael Höferer, Generaldirektor der Österreich Werbung. Er empfiehlt 61 ausgewählte Klöster und Stifte zur Einkehr oder zur Besichtigung. Einige der ältesten Gründungen um das Jahr 1000 liegen in Kärnten. Derweil haben zuverlässige Quellen in Wien verlauten lassen, dass Höferer "bald" ein Opfer der neuen politischen Konstellation wird: Die Österreich Werbung, dem Wiener Wirtschaftsministerium zugeordnet, soll einen neuen Chef bekommen.

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