Zeitung Heute : Die alten Währungen sind zu teuer

Eine Rückkehr zu Drachme & Co. birgt mit Auf- und Abwertungen zahlreiche Risiken in sich.

Das Geld und der schöne Schein. Wer sich mit der Geldgeschichte der vergangenen 2000 Jahre auseinandersetzt, findet schnell heraus, dass die aktuelle Situation historisch betrachtet nichts Neues ist. Schon immer hatten Währungen ein Verfallsdatum. Foto: dpa
Das Geld und der schöne Schein. Wer sich mit der Geldgeschichte der vergangenen 2000 Jahre auseinandersetzt, findet schnell...Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Im Angesicht der harten Krise und immer neuer Einschnitte akzeptieren die Einzelhändler in Salvaterra de Miño, einer Kleinstadt im spanischen Galizien, seit Herbst letzten Jahres wieder die alte Landeswährung. Die Kunden kommen in Scharen. Der Kosmetikerin Ana Perez hat das bisher immerhin 300 000 Pesetas, etwa 1800 Euro, eingebracht. Durch die Aktion wurde das Dorf, zumindest für eine Weile, zum Lieblingsthema der Medien. Das hat das Interesse der Öffentlichkeit umso mehr angeheizt. Momentan steht im Dorf zur Debatte, die Aktion weiterlaufen zu lassen. Am Geld wird es nicht scheitern. Nach Berechnung der spanischen Notenbank sind noch 1,7 Milliarden Peseten im Umlauf. Und als Wechselgeld gibt Ana Perez natürlich Euro und Cent heraus.

Für Griechenland hat der Autovermieter Sixt schon vor Monaten die Rückkehr zur alten Währung ins Spiel gebracht. Er ließ auf Plakaten titeln: „Liebe Griechen, Sixt akzeptiert wieder Drachmen!“. Das erregte Aufsehen – gut für Sixt – und gefiel den Griechen überhaupt nicht. „Unsere Leute bekamen Morddrohungen – von den allgemeinen Nazi-Vorwürfen ganz zu schweigen“, so Chef Erich Sixt. Mittlerweile hat die Wirklichkeit die launige Werbung eingeholt. Viele deutsche Führungskräfte haben die Geduld mit Athen verloren. In einer Umfrage im „manager magazin“ begrüßten 57 Prozent von mehr als 300 Entscheidern die Wiedereinführung der Drachme.

Namhafte Ökonomen wie Harvard-Forscher Martin Feldstein und Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sehen in diesem Austritt schon seit einiger Zeit einen Befreiungsschlag. Mit der alten Währung könnte Griechenland den notwendigen Abwertungsprozess umgehend in Angriff nehmen. Die Binnennachfrage nach heimischen Produkten würde schlagartig steigen. Das Land wäre endlich wieder ein attraktives Urlaubsziel. Und die zugegeben wenigen griechischen Exportprodukte hätten am Markt eine echte Chance. Die Prognosen von Feldstein und Sinn haben allerdings sofort reichlich Gegner auf den Plan gerufen, die im Falle des Austritts eine Kettenreaktion und damit eine Katastrophe prophezeien. In einer solchen Situation prüfen Banken natürlich die Konsequenzen der Rückkehr von Euro-Ländern zu ihrer alten Währung. Im letzten Jahr wandten sich mindestens zwei weltweit operierende Banken wegen, im Zusammenhang mit der Umstellung, möglicherweise auftretender Probleme an die belgische „Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Swift)“. Doch das im weltweiten Geschäft von Informationen und Transaktionen zwischen Banken und Börsen führende Unternehmen lehnte dankend ab. Es wollte nicht durch etwaige Aktivitäten weitere Zweifel an der Stabilität des Euro schüren. Unisono beschwören auch die deutschen Großbanken die Euro-Einheit und erklären wie das Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) am Montag: Schon bei einem Euro-Abschied der Griechen „würden schwer kalkulierbare Ansteckungseffekte drohen – auch für große Euroländer". Erwin Grandinger, politischer Analyst bei der EPM Group glaubt nicht an diesen Virus Drachme: „Das Argument, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum löse ein Finanzchaos aus, ist weder halt- noch belegbar. Alle Marktteilnehmer hatten genügend Zeit, sich darauf einzustellen.“ Ihm steht Laurence Wormald, Ökonom beim Researchhaus SunGard, argumentativ zur Seite. Er hat ausgerechnet, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht weniger als 87 Währungsverbünde aufgelöst wurden. Immer wieder kommen Regierungen zur Erkenntnis, dass eine gemeinsame Währung nur Wohlstand schafft, wenn die beteiligten Nationen genügend Gemeinsamkeiten haben.

Auch in Deutschland gibt es durchaus Träume von der Rückkehr zur guten alten D-Mark. Rund die Hälfte der Deutschen wünschen sich nach Umfragen von Forsa und Emnid die alte Währung zurück. Aber eine gute Idee ist ihr Comeback nicht. Die Credit Suisse skizziert die Konsequenzen in einer Studie („Der Euro: Was wäre wenn?“) und rechnet mit einer 40-prozentigen Aufwertung der „neuen DM“ gegen den Dollar – und das wäre eine echte Katastrophe. Keine falschen Sentimentalitäten also. Sie würden uns teuer zu stehen kommen.

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