Zeitung Heute : Die Altlast des Sanierers

Ralf Schönball

Der neue Chef der Bankgesellschaft Berlin hat in seiner früheren Funktion ein hoch spekulatives Steuersparmodell aufgelegt, das das Land Berlin geschädigt hat und den Anlegern im Jahr 2003 teuer zu stehen kommen dürfte. Pikant: Die Immobilie des Fonds "Euro-Wert 1", den Hans-Jörg Vetter als damaliger Immobilienvorstand der Frankfurter BfG-Bank zusammen mit der Norddeutschen Vermögen verkaufte, erwarben die Manager von dem in die Bankenaffäre verstrickten Baulöwen Klaus Groth. Mieter des Hauses in der Spichernstraße ist die Investitions-Bank. Und die Konzerntochter zahlt so viel Miete, dass der Rechnungshof einen Schaden von 27 Millionen Euro für Berlin feststellte. Mitverantwortlich für den Mietvertrag war der jüngst von Fonds-Werber und Bankenchef Vetter fristlos gekündigte IBB-Vorstand Bernd-Peter Morgenroth.

Nur noch ein Jahr und die Spekulation um den riskanten Euro-Wert-Fonds dürfte wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Denn dann muss die landeseigene Bank nicht mehr rekordverdächtige Mieten von knapp 50 Euro pro Quadratmeter aufbringen: 2003 läuft der Mietvertrag mit dem BfG Eurowert-Fonds aus. Doch sobald die Steuerzahler aus dem Schneider sind, dürften die Anleger des Fonds die Düpierten sein. Denn: Die Gesellschaft wird kein Unternehmen finden, das auch nur annähernd die frühere Miete bezahlt. Die höchsten Mietpreise betragen in Berlin 30 Euro pro Quadratmeter: für Bürohäuser am Pariser Platz neben dem Adlon. Für ein Gebäude wie die Fondsimmobilie in der Spichernstraße sind nach Makler-Angaben Mieter schwer zu finden und wenn überhaupt, dann für rund 13 Euro pro Quadratmeter. Die Konsequenz für die Fondsgesellschaft: Sie dürfte bald nicht einmal mehr die Zinsen für noch laufende Kredite bezahlen können. Dann würde die Gesellschaft entweder in die Insolvenz gehen oder die Anleger müssten frisches Kapital in den Fonds einschießen.

Auf Kosten des Steuerzahlers

Ob der damalige BfG-Bank- und heutige Bankgesellschafts-Vorstand Hans-Jörg Vetter das böse Ende des Fonds 1993 geahnt hat? Gegenüber dem Fachblatt Cash warb er seinerzeit für den "Euro-Wert" so: "Wir wollen die weitergehende steuerliche Förderung unseren Kunden nutzbar machen." Investieren auf Kosten des Steuerzahlers, das gelang zunächst auch prächtig: Bei Steuervorteilen von 84 Prozent, mussten die Spitzenverdiener unter den Anlegern nur etwa die Hälfte des Preises ihrer Anteile aus der eigenen Tasche bezahlen. Den Rest des Betrags erließen ihnen die Finanzämter von der Steuerschuld. Und dank des prächtigen Mietvertrages der landeseigenen Gesellschaft erfreuten sich die Anleger zehn Jahre lang über Ausschüttungen von zusammen 30 Prozent ihrer Investitionssumme. Doch damit wird es mit dem Auszug des zahlungswilligen Mieters vorbei sein.

Das böse Ende hatten Analysten vom Platow-Brief bereits 1993 vorausgesehen. In dem Branchenblatt schrieben sie: "Die ganze Konzeption des Fonds beruht auf dem Mietvertrag." Sobald dieser auslaufe, sei eine "Anschlussvermietung im Jahre 2003 zu 50 Euro Nettomiete" erforderlich, um weiterhin die im Fondsprospekt versprochene Rendite zahlen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies eintritt, ist gering: "Beten und weiter üben", rieten die Analysten damals den Fondsinitiatoren um Vetter.

Berlins Schaden: 27 Millionen Euro

Dass das hochspekulative Steuersparmodell überhaupt möglich wurde, ist dem damaligen Großkunden der Investitions-Bank und Verkäufer der Fonds-Immobilie zu verdanken: Klaus Groth. Dieser hatte so gut mit den damaligen Vorständen der Investitions-Bank Berlin, darunter der jüngst fristlos entlassene Bernd-Peter Morgenroth, verhandelt, dass dabei kurzerhand die wirtschaftlichen Interessen der Bank und des Steuerzahlers auf der Strecke blieben. So zumindest das Urteil des Rechnungshofes: "Die unwirtschaftliche Anmietung zu Lasten Berlins verursacht einen Schaden von mindestens 27 Millionen Euro", - und dies sei noch "sehr zurückhaltend geschätzt".

Die Banker waren so begierig auf die von Groth errichtete Immobilie, dass sie nicht einmal einen Makler mit der Suche nach günstigeren Alternativen beauftragten. Den Prüfern des Landesrechnungshofes stieß weiter auf, dass auch keine Marktanalyse für Büroräume durchgeführt wurde. Angesichts des Barwertes des Mietvertrages in Höhe von über 65 Millionen Euro ein unerklärliches Versäumnis. Ihre Freude an der nachlässigen Prüfung des Mietvertrages hatten die von Vetters BFG-Bank geworbenen Anleger, deren Fonds die Immobilie von Groth abkaufte. Ihnen wird die Freude im kommenden Jahr vergehen. Sofern der neue Chef der Bankgesellschaft nicht Druck auf die Konzerntochter ausübt, den auslaufenden Vertrag noch einmal zu verlängern.

Bei der Bankgesellschaft wurden Anfragen zu diesem Vorgang gelassen aufgenommen. Die Bank verwies darauf, dass Herr Vetter vor sieben Jahren bei der BFG ausgeschieden sei. Alle weiteren Fragen zur Entwicklung dieses Fonds seien von der Frankfurter Bank zu beantworten.

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