Zeitung Heute : Die Angst vor dem Ballkontakt

Stephan Haselberger

Mehrere Unionspolitiker haben die Bundesregierung aufgefordert, eine Einreise des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad nach Deutschland zur Fußball-WM zu verhindern. Wie wäre das möglich?


Am Abend des Karfreitags wurde in Teheran wieder einmal Hass gepredigt. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad eröffnete eine „Hilfskonferenz“ für die Palästinenser, aber in Wahrheit ging es vor allem gegen Israel.

Wie so oft stellte Ahmadinedschad erst den Holocaust in Frage und dann das Existenzrecht Israels: „Einige Leute glauben, dass während des Zweiten Weltkrieges viele Juden ums Leben kamen. Bei allem nötigen Respekt: Warum sollen die Palästinenser für das angeblich Geschehene den Preis zahlen?“ Überhaupt erscheine das „zionistische Regime“ wie ein vertrockneter Baum, „der beim nächsten Sturm umfällt“.

Die aggressive Rhetorik verstärkt die Ängste der internationalen Gemeinschaft vor dem iranischen Atomprogramm. In Deutschland lassen die jüngsten Äußerungen obendrein die Befürchtungen vor einem Besuch Ahmadinedschads bei der WM wieder aufleben. Dass der Holocaust-Leugner ausgerechnet hier zu Lande seine Bühne finden könnte, ist für deutsche Politiker ein Albtraum. Zwar liegen der Bundesregierung derzeit keine handfesten Hinweise vor, dass der iranische Präsident tatsächlich zu Spielen der iranischen Nationalmannschaft anreisen will. Aber bei Ahmadinedschad, das hat der Westen gelernt, gilt die Regel: Man weiß nie.

Innenpolitiker der Union wollen deshalb vorbauen. Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) und der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), wünschen sich von der Bundesregierung diplomatische Signale an Teheran. Man möge dem Regime zu verstehen geben, dass Ahmadinedschad in Deutschland „nicht erwünscht ist“ (Bosbach) und von einem Besuch der Fußballweltmeisterschaft „Abstand nehmen sollte“ (Uhl).

Die Bundesregierung hält den Ball bisher jedoch flach. Solange aus Teheran keine Reisewünsche vorliegen, sieht Berlin keinen Anlass, das Verhältnis beider Staaten mit öffentlichen Äußerungen zu belasten. Auch beim Iran-Besuch des Staatssekretärs im Innenministerium, August Hanning, in der vergangenen Woche soll das Thema keine Rolle gespielt haben.

Sollte Ahmadinedschad das Auftaktspiel der iranischen Mannschaft gegen Mexiko am 11. Juni aller Bedenken der Gastgeber zum Trotz doch in Nürnberg verfolgen wollen, bliebe der Bundesregierung als letztes Mittel noch die politische Entscheidung eines Einreiseverbots nach dem Vorbild der EU. Die hatte ein Einreiseverbot gegen Mitglieder der weißrussischen Regierung und Diktator Lukaschenko verhängt. Damit würde auch die Regelung hinfällig, wonach Staats- und Regierungschefs grundsätzlich visumsfrei in EU-Staaten einreisen können. Ein solcher Schritt wäre allerdings der maximale Affront gegenüber dem wichtigen Handelspartner Iran. Der Chef der CDU-Landesgruppen im Bundestag, Georg Brunnhuber, plädiert denn auch für eine andere Lösung: Nicht die Regierung, sondern die Fifa soll Ahmadinedschad für die Dauer des Turniers zur unerwünschten Person erklären.

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