Zeitung Heute : Die Angst vor dem Terror ist zurück

Nach Anschlagauf Boston-Marathon noch keine heiße SpurObama: Wir werden die Täter finden und zur Verantwortung ziehenLäufe in Hamburgund London sollenam Sonntag stattfindenBerliner Veranstalterwill Sicherheitskonzeptfür September überprüfen.

F. Teuffel[Berlin] C. Marschall[Washington]
Der Tag danach. Weite Teile der
Der Tag danach. Weite Teile derFoto: AFP

Nach den Bombenanschlägen auf den Marathon in Boston ermitteln die Sicherheitsbehörden in mehrere Richtungen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat, bei der am Montagnachmittag (Ortszeit) mindestens drei Menschen starben und mehr als 170 zum Teil schwer verletzt wurden. US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Anschlag als einen „Terrorakt“. Man wisse aber noch nicht, wer genau dahinter stecke, sagte Obama am Dienstag im Weißen Haus. Die Bundespolizei FBI, die die Untersuchung führt, ließ offen, ob es sich um den Anschlag einer Gruppe oder die Straftat eines Einzeltäters handele und ob der oder die Urheber im In- oder Ausland zu suchen sind. Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass es bislang keine Hinweise auf eine Verbindung des Terrornetzwerks Al Qaida oder einer anderen ausländischen Gruppe zu der Attacke gebe. Die Bomben steckten nach CNN-Informationen in Dampfkochtöpfen. Die Behälter wiederum seien in schwarzen Rucksäcken verstaut gewesen.

Es waren die ersten tödlichen Bombenanschläge in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Am ältesten jährlichen Marathon der Neuzeit, der seit 1897 ausgetragen wird, nahmen mehr als 20 000 Läufer teil. Hunderttausende Zuschauer säumten die Straßen. Unter den Toten ist ein achtjähriger Junge. Seine Mutter und die sechsjährige Schwester wurden schwer verletzt – ihr musste ein Bein amputiert werden. Zudem wurde eine 29 Jahre alte Frau als Todesopfer identifiziert. Deutsche kamen nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden.

Obama sprach von einer Tragödie: „Wir werden herausfinden, wer es war.“ Die Verantwortlichen würden „die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“. Er warnte vor voreiligen Schlüssen. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte: „Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen – wie es in diesem Fall erscheint – ist klar ein Terrorakt.“ Eine Untersuchung müsse klären, ob ausländische oder einheimische Täter verantwortlich seien. In Pakistan sagte ein Sprecher der Taliban, sie befürworteten zwar Angriffe auf die USA, seien für Boston aber nicht verantwortlich.

Nach Medienberichten vernahmen Beamte des FBI, die die Ermittlungen leitet, einen jungen saudischen Staatsbürger, der mit einem Studentenvisum in die USA gekommen sein soll. Er liege mit einer Beinverletzung im Krankenhaus. Dem Sender CBS zufolge wird er von der Polizei bewacht. Außerdem sei eine Wohnung in einem Mietkomplex in der Kleinstadt Revere nahe Boston durchsucht worden. Nach Angaben des Gouverneurs von Massachusetts, Deval Patrick, wurden über die beiden explodierten Bomben hinaus keine weiteren Sprengsätze gelegt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die „sinnlose Gewalt“. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen und forderte eine aktive Koordination des Anti-Terror- Kampfs. Kanzlerin Angela Merkel äußerte die Hoffnung, dass die Schuldigen bald zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Sprengsätze explodierten binnen zwölf Sekunden in der Nähe der Ziellinie. Die ersten Läufer hatten sie bereits Stunden vorher überquert. Kurz danach schalteten die Behörden vorübergehend das Mobilfunknetz in Boston ab, um mögliche Fernzündungen weiterer Sprengsätze zu verhindern. Der Luftraum über der 625 000-Einwohner-Stadt war zwischenzeitlich gesperrt. Die Nationalgarde von Massachusetts ging in Stellung, schwer bewaffnete Polizisten sicherten die Krankenhäuser. In anderen größeren US-Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls verschärft. Für Deutschland sieht das Innenministerium keine erhöhte Terrorgefahr: Die Sicherheitslage sei unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher. Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors.

Die Marathons in London und Hamburg sollen am Sonntag wie geplant stattfinden. „Wir haben keine Veränderung unserer Sicherheitslage“, sagte ein Hamburger Polizeisprecher. Das Sicherheitskonzept habe sich bewährt. Die Organisatoren in London kündigten ebenfalls an, nichts an ihrem Konzept ändern zu wollen. Mark Milde, Renndirektor des im September stattfindenden Berlin-Marathons sagte, das Thema Sicherheit werde nun zwangsläufig noch einmal neu mit den Behörden diskutiert werden. Der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, Lamine Diack, sagte: „Dieser grässliche und feige Anschlag zielt auf den innersten Kern der freiesten menschlichen Aktivität.“ mit dpa/AFP

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar