Zeitung Heute : Die Anlagen im Jordanischen Petra verfallen zusehends - pro Jahr 350 000 Besucher

Peter King

Die fein ziselierten Grabanlagen in den Felsen der berühmten Nabatäer-Stadt Petra in Jordanien ziehen immer mehr Touristen an. Millionen Menschen kennen sie aus dem Film "Indiana Jones", dem die rosafarbenen Sandstein-Felswände als Kulisse dienten. Einst war die Stadt aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus Anlaufpunkt für die Karawanen zwischen der arabischen Halbinsel und dem Römischen Reich. Aber jetzt bedroht Erosion die Monumentalgräber zusehends, so dass acht von zehn Fassaden fast schon bis zur Unkenntlichkeit ausgewaschen sind. Die Experten streiten darüber, ob allein all die Jahrhunderte von Wind und Regen Ursache des Verfalls sind oder ob auch die Touristen verantwortlich sind.

Der deutsche Mineraloge Helge Fischer ist überzeugt, dass Wind und Regen den Stein über Jahrhunderte brüchig gemacht haben. Mit Geld aus Deutschland leitet er ein Projekt, dass die am schwersten beschädigten Fassaden retten soll. Allerdings ist damit nicht erklärt, warum einige der Felsfassaden besser erhalten sind. So sieht Tom Paradise von der Universität von Hawaii die Hauptbedrohung für die Nabatäer-Hauptstadt vor allem in den Touristen. "Der Fremdenverkehr im Mittleren Orient wird immer verrückter", sagt er. In weniger als zehn Jahren hat sich die Zahl der Touristen in Petra mehr als verdreifacht - von 100 000 im Jahr 1990 auf 350 000 in der vergangenen Saison.

Große Sorgen macht sich Paradise vor allem um das römische Amphitheater, das unter dem Kommen und Gehen der Touristen leidet, die sich hier frei bewegen dürfen. Während vor fast zehn Jahren die Arbeiten der Steinmetze noch in mindestens 20 Prozent des Amphitheaters sichtbar waren, ist dies heute nur noch bei fünf Prozent der Fall. Paradise befürchtet, dass die Steinsitze in 50 oder 100 Jahren völlig ihre Form verlieren, besonders wenn die erwarteten Touristenströme tatsächlich Wahrheit werden.

In einer anderen Studie zeigt er, dass Schweiß und Atem der Touristen verantwortlich sind für die Feuchtigkeit, die dem Stein zusetzt. "Draußen, wo es trockener ist, ist der Stein noch in gutem Zustand. Aber drinnen kann man diese herrlichen kleinen Giebeldreiecke nicht einmal mehr erkennen", sagt Paradise. "Alles ist im Begriff zu verfaulen, ganz einfach zu verschwinden, und das beunruhigt uns in höchstem Maße. Da nichts getan wird, um den Besucherstrom einzugrenzen, wird sich das Problem noch verschlimmern."

Der Fremdenverkehrsminister Akel Baltadschi hat die Gefahren der Erosion für die archäologische Pracht in Petra erkannt. Seiner Ansicht nach wird auch alles für ihren Schutz getan, was möglich ist. Im Jahr 2003 will ein deutsch-jordanisches Projekt ein unabhängiges Zentrum für die Bewahrung von Petra eingerichtet haben. Bis dahin muss Jordanien allerdings selbst ein Gleichgewicht zwischen Tourismus und Schutz für seine archäologischen Schätze gefunden haben.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar