Die Anteilseigner und Sponsoren des FC Bayern : Sehen, hören, schweigen

Der FC Bayern ist finanziell in hohem Maße von seinen Anteilseignern und Sponsoren abhängig. Wie reagierten sie auf das Urteil gegen den Präsidenten des Vereins?

Bis zum Abend hüllten sich die prominenten Aktionäre und Sponsoren des FC Bayern in Schweigen. Audi, Adidas, Allianz, Telekom – keiner der Konzerne wagte sich nach dem Urteil für Uli Hoeneß aus der Deckung. Mehrfach wurde Volkswagen- Chef Martin Winterkorn, der im Aufsichtsrat der FC Bayern AG sitzt, auf der Bilanz- Pressekonferenz in Berlin nach möglichen Konsequenzen gefragt. „Das wird im Aufsichtsrat besprochen – vorher nicht“, sagte der Bayern-Fan lediglich. Auch Hinweise, der börsennotierte VW-Konzern laufe Gefahr, gegen seine eigenen Compliance-Regeln zu verstoßen, wenn er weiter hinter dem verurteilten Steuerhinterzieher und Bayern-Präsidenten Hoeneß stehe, kommentierte Winterkorn nicht.

Auch bei der Deutschen Telekom hieß es auf Anfrage, man arbeite noch an einer Stellungnahme zum Fall Hoeneß. „Die Kollegen sind am Ball.“ Der neue Telekom-Chef Timotheus Höttges sitzt neben Audi-Chef Rupert Stadler und dem Adidas-Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer im Aufsichtsgremium der Bayern. Adidas – wie die Allianz und Audi mit 8,3 Prozent an der FC Bayern AG beteiligt – ging ungeachtet des Hoeneß-Urteils ebenfalls in Deckung. „Wir sind Anteilseigner des FC Bayern und Aufsichtsratsmitglied“, sagte ein Sprecher des Sportartikelkonzerns. „Letztlich ist das eine Sache des FC Bayern, deshalb äußern wir uns nicht.“

Derweil setzte der Fußballclub in München eine kurzfristige Beratung der wichtigsten Gremien an. Wie der deutsche Fußball-Rekordmeister am Donnerstagnachmittag mitteilte, sollten die entsprechenden Gremien des Vereins und der Aktiengesellschaft – also Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat – zusammenkommen. Zeitnah, aber nicht vor diesem Freitag werde man über das Ergebnis informieren, so hieß es.

Der Aufsichtsrat hatte bereits früher vorsorglich betont, es gebe „kein Amtsverbot wegen einer strafrechtlichen Verurteilung“. Hoeneß hatte angekündigt, sein Schicksal beim FC Bayern in die Hände der Mitglieder zu legen. Sie gaben ihm in den vergangenen Monaten geschlossen Rückendeckung.

Aktionärsschützer kritisierten das Schweigen der Unternehmen. Hoeneß müsse zurücktreten. „Das Urteil zeigt, wie überfällig die Entscheidung bereits ist“, sagte der Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz. „Für die im Aufsichtsrat des FC Bayern engagierten Unternehmen kann es jetzt eigentlich kein ,Weiter so’ mehr geben.“

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