Die Arche und der Ararat : Noahs Flotte

Majestätisch, geheimnisvoll, unzugänglich – der biblische Berg Ararat im äußersten Osten der Türkei zieht seit langem Abenteurer und Forscher an, die ihm ein Geheimnis entreißen wollen: den Ruheplatz der Arche Noah. Jetzt wollen die Teilnehmer einer chinesisch-türkischen Expedition die von Schnee, Eis und Geröll bedeckten Überreste des Schiffes in 4000 Meter Höhe gefunden haben. Als Beweis präsentierten sie Videoaufnahmen sowie Reste von Holz und Seilen, mit denen angeblich die Tiere auf der Arche festgebunden waren. Doch statt Ruhm ernten die Forscher nur Skepsis und Spott anderer Ararat-Experten. Angebliche Archen-Funde gab es schließlich schon viele.

Die Expedition wurde von der christlichen Organisation „Noah’s Ark Ministries International“ (Nami) aus Hongkong ausgerichtet. „Das Suchteam und ich betraten ein Gebilde aus Holz hoch auf dem Berg“, sagte Expeditionsteilnehmer Man Fai Yuen laut der Nami-Internetseite. Das Schiff soll zwölf Meter lang und fünf Meter hoch sein. Im Inneren befinden sich Abteile: Ställe für die Tiere, die von Noah vor der Sintflut gerettet wurden, glauben die Forscher.

Bei der Präsentation der Expeditionsergebnisse in Hongkong berichteten die Forscher, die Arche sei in einen Gletscher eingesunken, aber teilweise noch intakt. Auf einem Video auf der Nami- Website sind Bergsteiger in einer Art Höhle mit teilweise vereisten Holzbohlen an den Seiten und einem hölzernen Boden zu sehen. Möglicherweise habe der Gletscher auf dem 5100 hohen Berg die Überreste vor dem Zerfall bewahrt, sagen die Forscher.

Da kann Ahmet Arif Arslan nur lachen. „Sehr komisch“ sei das alles, sagte der Ararat-Experte dem Tagesspiegel. „Denen geht es nur um die Schlagzeilen.“ Arslan ist in der Nähe des Ararat aufgewachsen und hat als Bergführer mehrere Arche-Expeditionen begleitet. 1989 fotografierte er eine Stelle, die nach seiner Meinung die wahre Liegestelle des biblischen Schiffes ist. Doch auch Arslans Ergebnisse sind umstritten.

Vor der Nami-Expedition hatten fromme Organisationen und Geldgeber aus den USA schon so manchen Trupp losgeschickt, um auf dem Ararat nach biblischen Wahrheiten zu fahnden. „Das ist eine richtige Industrie“, sagte Arslan. Besteigungen, Luftaufnahmen und Satellitenbilder hätten im Laufe der Jahrzehnte gleich mehrere potenzielle Ruhestätten der Arche lokalisiert: „Noah muss wohl eine ganze Flotte gehabt haben.“Thomas Seibert

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