Zeitung Heute : Die Aubis–Manager sind Spitze

Der Tagesspiegel

Man kennt es aus den amerikanischen Filmen: Ohne Moos kommt kein Beschuldigter aus der Untersuchungshaft. In Deutschland zählen Kautionen zur Ausnahme. Mit den insgesamt 1 900 000 Euro Kaution dürften die Aubis-Manager Klaus Wienhold und Christian Neuling einen Spitzenplatz einnehmen. In ihrem Fall genügten den Richtern die Meldepflicht und die einbehaltenen Pässe nicht als Sicherheit. „Die Höhe der Kaution ist auf den mutmaßlichen Vermögensschaden zurückzuführen“, sagt Justizsprecher Sascha Daue.

Das Geld liegt jetzt sicher verschlossen in der Verwahrstelle im Kriminalgericht Moabit. Auf eine Bank wird die Kaution nicht gebracht. „Der Staat will unmittelbaren Zugriff auf das Geld haben“, sagt Daue. Auf den regulären Zinssatz müssen Neuling und Wienhold verzichten: In den ersten drei Monaten verzinst der Staat das Geld gar nicht, danach mit einem Tausendstel pro Jahr. Dafür wird den Beschuldigten garantiert, dass ihnen die Kaution sofort ausbezahlt wird, sollten sie sich wieder in der Untersuchungshaft einfinden.

Den beiden Aubis-Managern wird Untreue und versuchte Untreue vorgeworfen. Aubis hatte Anfang der 90er Jahre den Kauf von Tausenden Plattenbauwohnungen über Kredite der Berlin Hyp finanziert. Ende Februar waren Wienhold und Neuling verhaftet worden und kamen in Untersuchungshaft. Seit Montag befinden sich beide auf freiem Fuß. Wienhold hat einen Teil seiner Kaution als Bankbürgschaft vorgelegt. Immobilien, Freunde, Familien – wer die Sicherheit verschaffte, ist unbekannt. Bankgeheimnis. kf

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