Zeitung Heute : Die Auferstehung des Echnaton Mathematiker fertigen eine präzise dreidimensionale Kopie vom

Ehemann der Nofretete. Das Double ist ab Dezember in Berlin zu sehen und soll den Besuchern die traurige Geschichte des Kunstwerks nahebringen.

Sybille Nitsche
Staubige Sache. Beim 3-D-
Staubige Sache. Beim 3-D-

Dem Mann ist übel mitgespielt worden. Nase, Ohren und Lippen sind abgeschlagen, an der Stelle der Stirn klafft ein Loch und das linke Auge fehlt völlig. Die zugerichtete Büste ist die des Pharaos Echnaton (1351-1334 v.Chr.), Ehemann der Nofretete. Öffentlich gezeigt worden ist dieses Kunstwerk noch nie. Ab dem 7. Dezember 2012 jedoch wird es nun erstmals zu sehen sein. Im Rahmen der Ausstellung „Im Licht von Amarna“, die an den Fund der Nofretete vor 100 Jahren am 6. Dezember 1912 erinnert, präsentiert das Ägyptische Museum seinen Echnaton. Dafür wurde er restauriert. Der deutsche Ägyptologe und Architekturstudent der Technischen Hochschule Berlin, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, Ludwig Borchardt (1863-1938) hatte den zerschlagenen Königskopf übrigens am gleichen Tag und an der gleichen Stelle ausgegraben wie die Büste der Nofretete.

Um den Besuchern auch den Zustand des Kunstwerkes vor der Restaurierung zu zeigen, wurde das 3-D-Labor des Instituts für Mathematik der TU Berlin bei der Vorbereitung der Ausstellung eingebunden. Die TU-Mitarbeiter erstellten von der zerstörten Skulptur eine Nachbildung – als dreidimensionalen Druck. Das 3-D-Labor der Universität hat schon die verschiedensten Objekte ausgedruckt: Modelle menschlicher Organe aus computertomografischen Untersuchungen, Geomodelle wie etwa die topografische und geologische Darstellung Berlins, komplizierte Strukturen, die mathematische Zusammenhänge als reale Objekte abbilden, oder auch den Kopf und das Skelett des toten Eisbären Knut. Eines der bislang aufwendigsten Projekte war der Druck eines 120 mal 45 mal 40 Zentimeter großen Automodells. Ingenieure wollen daran die Strömungsphänomene am Pkw besser verstehen.

Im Echnaton-Projekt nun stellen die wissenschaftlichen Mitarbeiter des 3-D-Labors wie Ben Jastram und Joachim Weinhold ihre Expertise in den Dienst der Archäologie und der Kunst.

Um von der zerstörten Echnaton-Büste eine 3-D-Kopie drucken zu können, haben Jastram und Weinhold sie zunächst mit einem Scanner digitalisiert. Dazu wird ein Gitter aus Licht über die Figur gelegt, mit dessen Hilfe der Scanner markante Punkte identifiziert und deren Lage im Raum bestimmt.

Mit diesem Scan haben sie die zuvor von Alexander Huppertz am Imaging-Science-Institute der Charité erstellte Computertomografie des Echnaton ergänzt. Zwei Tage dauerte der Scan. Danach lagen mehrere Millionen Messpunkte vor. „Daraus erstellten wir einen dreidimensionalen Datensatz, aus dem der 3-D-Drucker das reale Objekt entstehen lässt“, erläutert Ben Jastram. Die originale Echnaton-Büste ist aus Kalkstein, die gedruckte Replik aus einem Spezialgips. Die CT-Aufnahmen der Charité gaben übrigens auch einen Einblick, wie Borchardt versucht hatte, den in mehrere Teile zerschlagenen Kopf wieder zu fixieren.

Anhand des Echnaton-Doubles aus dem 3-D-Labor wollen die Macher der Ausstellung nicht nur die traurige Geschichte des Kunstwerkes erzählen. Für Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums und Kuratorin der Ausstellung, sind die Beschädigungen die Folge mutwilliger Zerstörungen in der Antike, die religiös motiviert waren, da Echnaton nur einem Gott huldigte: Er setzte den Sonnengott Aton über alle anderen ägyptischen Götter und griff damit den Polytheismus an. Die 3-D-Nachbildung werden die Restauratoren des Ägyptischen Museums vor allem auch dafür nutzen, um daran Restaurationsvarianten auszuprobieren, bevor sie sie am Original vornehmen.

Die Ausstellung „Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete“ ist zu sehen vom 7. Dezember 2012 bis 13. April 2013, Neues Museum, Museumsinsel Berlin, Besuchereingang Bodestraße 1-3, 10178 Berlin.

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