Zeitung Heute : Die Aufpasser vom Zoo

Polizeipräsenz und Kameras geben am Bahnhof das Gefühl von mehr Sicherheit

Johannes Boie

Lange galt der Bahnhof Zoo als Symbol für Verkommenheit und Kriminalität: Heimat der Ausgegrenzten oder Drogensüchtigen wie einst „Christiane F.“ Inzwischen hat sich die Lage deutlich verbessert. Aber auch heute noch stehen Strichjungen in der Jebensstraße hinterm Bahnhof, und vor dem Haupteingang haben Obdachlose ihr Quartier aufgeschlagen.

„Ich komme aus dem Bahnhof raus, und einer der Herren hier tritt mich. Als ich um eine Entschuldigung bitte, schlägt er mir ins Gesicht“, sagt ein Passant, der eben eine Anzeige bei der Polizei aufgegeben hat. Seine Brille liegt kaputt am Boden. „Hier sammeln sich viel zu viele Menschen, die den sozialen Abstieg schon hinter sich haben“, ärgert sich der Mann im schicken Strellson-Anzug. Er will noch weiterschimpfen, aber seine Worte gehen in der Sirene eines Notarztwagens unter: Im Pizza-Imbiss im Bahnhofsgebäude ist ein Drogenabhängiger zusammengebrochen.

Patricia Rüdiger arbeitet in der Apotheke im Bahnhof. Unsicher fühle sie sich hier nicht, sagt sie. Aber: „In andere Apotheken kommen keine Junkies rein und beschweren sich lauthals, dass die Spritzen zu teuer seien.“ Rüdiger ist deshalb froh über die starke Polizeipräsenz. „Mehr Videokameras würden sicher nicht schaden“, findet sie. Das sieht auch die BVG so – die Verkehrsbetriebe sind allerdings nur für den U-Bahnbereich verantwortlich. Außerdem sei der Datenschutz in Berlin sehr streng, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Nach harten Verhandlungen mit dem Datenschutzbeauftragten Alexander Dix begann vor wenigen Tagen ein Pilotprojekt, bei dem die Videoüberwachung an den U-Bahnhöfen einiger Strecken erweitert wird; dazu gehört die Linie U 2, die am Zoo hält. Jetzt werden die Bilder der bereits vorhandenen Kameras 24 Stunden lang gespeichert und nicht mehr nur live von den BVG-Mitarbeitern betrachtet.

Ob mit der Verlegung des Fernverkehrs zum neuen Hauptbahnhof die Probleme rund um den Zoo verschwinden, scheint offen. „Die Szene ist hier schon so lange, die wird sich nicht danach richten, wo die ICE-Züge halten“, sagt Walter Maier, der in Charlottenburg lebt und täglich am Zoo vorbei läuft. Für das Berliner Image seien der Bahnhof und seine direkte Umgebung bis jetzt noch eher schädlich als hilfreich. Andererseits sei die Situation nicht einzigartig: „Jede Stadt hat solche Ecken.“

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