Zeitung Heute : Die Aura des Herausragenden

Die Stipendien der Schering Stiftung stärken Kreativität in Wissenschaft und Kunst.

Paul Janositz
„Networking“ wird auch durch Stipendiatentreffen gefördert, die alle zwei Jahre in Berlin stattfinden.
„Networking“ wird auch durch Stipendiatentreffen gefördert, die alle zwei Jahre in Berlin stattfinden.

Stipendien erleichtern das Leben: Studieren ohne Geldsorgen, eine Karriere in der Wissenschaft starten, ohne sich erst eine Stelle suchen zu müssen. Doch ein Stipendium der Schering Stiftung bietet mehr. So sieht es jedenfalls Caroline Haas, Doktorandin am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Als wichtigen Grund, sich zu bewerben, nennt die Biochemikerin, „das Prestige, die Ehre, die das Stipendium mit sich bringt“. Damit steht sie nicht allein. Auch für Ajla Hrle, Biochemikerin an der Universität Tübingen, zählen „in erster Linie das Ansehen der Stiftung und das mit dem Stipendium verbundene Prestige“. Letzteres ist laut Caroline Haas dann besonders hoch, wenn – wie bei der Schering Stiftung – nur wenige die Auszeichnung erhalten.

In der Tat ist die Zahl der Stipendien für „herausragende Nachwuchswissenschaftler“ auf etwa sieben pro Jahr begrenzt. „Man kann sich von überall her bewerben und auch überall hingehen“, sagt Sonja Kießling. Es gibt keine Einschränkung bezüglich Ort oder Nationalität der Stipendiaten. Bewerben können sich laut Ausschreibung Doktoranden, die an renommierten Instituten im In- und Ausland forschen wollen. Der Fokus liegt auf biologische, medizinische oder organisch-chemische Grundlagenforschung in den Lebens- und Naturwissenschaften.

Der Stipendiat erhält zwei Jahre lang 1300 Euro im Monat. Stipendiaten im Ausland können gegebenenfalls auf eine Zulage zum Kaufkraftausgleich hoffen. Zudem gibt es monatlich 100 Euro extra, um Kosten für Reisen oder Bücher zu decken. Für eine familienfreundliche Einrichtung wie die Schering Stiftung sind Kinderzuschläge selbstverständlich: monatlich 400 Euro für das erste und jeweils 300 Euro für jedes weitere Kind.

Angesichts der weltweiten Möglichkeiten ist die Wahrscheinlichkeit gering, in der eigenen Stadt andere Stipendiaten zu treffen. In dieser Hinsicht hat LMU-Doktorandin Haas Glück gehabt. Wie sie berichtet, traf sie „am Max-Planck-Institut um die Ecke“ eine andere Stipendiatin, die ihr beim Kristallisieren helfen konnte. „Networking“ wird auch durch Stipendiatentreffen gefördert, die alle zwei Jahre in Berlin stattfinden. Dabei werden nicht nur Erfahrungen in der Forschung ausgetauscht. „Wir versuchen Wissenschaftler und Künstler zusammenzubringen“, sagt Kießling. Beim Treffen 2011 unter dem Motto „Kreativität in Wissenschaft und Kunst“ sprachen jeweils ein Wissenschaftler und ein Künstler über dasselbe Thema.

Beim nächsten Treffen kann die Biochemikerin fünf Teilnehmer kennenlernen, die von einer neuen Förderung profitieren. Die Schering Stiftung beteiligt sich ab dem Sommersemester 2012 am „Deutschlandstipendium“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und trägt die Hälfte der monatlichen Rate von 300 Euro (Siehe Beitrag unten). Paul Janositz

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!