Die Autokrise : Opel bleibt nicht allein

Heartware statt Hardware: Glorreich ist die deutsche Autoindustrie. Doch es gibt zu viele Autofabriken. Nicht allein Opel und nicht allein die deutschen Autohersteller sind betroffen. Es wird zu neuen Bündnissen und Kooperationen kommen müssen. Warum nicht Opel als Partner?

Alfons Frese

Auch Männer haben Gefühle. In den 90er Jahren proklamierten die VW-Strategen eine Devise, die auf den ersten Blick bescheuert ist: „Das Auto ist Heartware und nicht Hardware.“ Also, sprach Ferdinand Piëch, nehmen wir eine Milliarde und bauen uns die Autostadt. Unglaublich, eigentlich, doch die Ausstellung des Götzen der mobilen Welt lässt Millionen an den Mittellandkanal fahren. Gucken, staunen, träumen. Heartware eben. Und zwar eine ziemlich profitable. Wie viele VW-Golf müssen wohl verkauft werden, bis eine Milliarde zusammen ist? Auch die anderen griffen ganz tief in die vom Autokäufer gefüllten Taschen. Nur die besten Architekten konstruierten für Mercedes, BMW und zuletzt Porsche Schaupaläste als Firmenmuseum. Denn glorreich ist die deutsche Autoindustrie und sie inszeniert mit Wucht ihre Weltklasseprodukte.

2011 soll in Rüsselsheim das Opel-Forum eröffnet werden, mit 240 Millionen Euro vergleichsweise günstig. Vielleicht hält Jürgen Rüttgers die Festrede, der dann amtierende Aufsichtsratsvorsitzende der halbstaatlichen Opel AG. Und vielleicht wird Roland Koch ausgezeichnet mit dem golden Blitz, der Ehrennadel des Unternehmens, für Verdienste bei der Verfassung des Opel-Gesetz, das die Bundesregierung 2009 beschloss und das die Schließung von Opel-Fabriken bis 2045 ausschließt. Alles ist möglich.

Unmöglich sind dauerhaft Überkapazitäten. Es gibt schlicht zu viele Autofabriken. Der große Nachfrageschub in Asien und Osteuropa hat in den vergangenen Jahren dieses Dilemma überdeckt. Vorbei. Das einzig Tröstende in diesen Monaten: Nicht allein Opel und nicht allein die deutschen Autohersteller sind betroffen. Ohne Ausnahme alle Hersteller werden ihre Autos nicht mehr los. Selbst Toyota.

Trostlos ist die Lage bei Chrysler und General Motors, der Opel-Mutter. Ein früherer Chef der Ford-Werke in Köln beschrieb den Unterschied zwischen Amerikanern und Deutschen einmal so: Die US-Hersteller haben die Finanzen im Blick, also die nächsten Quartalszahlen, die Börse und den Aktienkurs. Die Deutschen dagegen setzen auf Technologie; hier bestimmen maßgeblich die Ingenieure das Produkt und damit auch den Erfolg der Firma.

Die deutsche Variante ist nachhaltiger und damit erfolgreicher. Siehe General Motors/Opel: Die Innovationen stammen aus Rüsselsheim, nicht aus Detroit. Und dass die gute Marke Opel so in Schwierigkeiten geraten konnte, liegt vor allem auch am Einfluss der kurzfristig agierenden Bosse in Detroit. Deshalb ist die Einschätzung vermutlich auch richtig, dass Opel nur eine Zukunft hat, wenn das Unternehmen zumindest zum Teil aus dem maroden GM-Verbund herausgelöst wird.

Vielleicht mithilfe der deutschen Politik, also des Steuerzahlers. Vielleicht aber auch mithilfe von Wettbewerbern. Es wird mit Sicherheit zu neuen Bündnissen und Kooperationen kommen, weil viele alleine nicht stark genug sind. Auch nicht die Großartigsten unter den Großartigen: BMW und Mercedes. In den 90er Jahren versuchten beide Premiumhersteller, mit einer Billigmarke ihre Programm abzurunden und dadurch robuster zu werden. BMW scheiterte bei Rover, Daimler bei Chrysler und Mitsubishi. Jetzt steht der zweite Versuch an. Denn allein ist auf Dauer zum Beispiel die Entwicklung eines Motors für eine Milliarde Euro zu teuer. Auch das dringend erforderliche Angebot von Kleinwagen unter der Marke Mercedes oder BMW wird nicht funktionieren. Warum also nicht Opel als Partner?

Der VW-Konzern mit seiner Markenvielfalt macht es vor: Audi und Porsche kooperieren bei der Entwicklung des Hybridantriebs; VW und Skoda und Seat haben gemeinsame Plattformen, so dass Teile und Motoren in vielen Modellen eingesetzt werden können. Die Einkaufsmacht und die Kostenvorteile sind enorm. VW ist wirklich unterwegs, um Toyota einzuholen. Mit einer langfristigen Strategie und guten, sparsamen Autos. Und dabei trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sogar mit Heartware.

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