Zeitung Heute : "Die Band ist wie eine Familie"

Kai Müller

Musikstars fühlen sich begehrt, aber während ihrer Tourneen und langen Studioarbeiten oftmals auch allein gelassen - dabei entstehen dann manchmal LiebesliederKai Müller

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Die Lemonbabies sind die bekannteste Berliner Girlgroup

Frage:
Wie heißt die bekannteste Berliner Boygroup?

Nennen Sie die Band, die mit dem Hit "Gimme, Gimme, Gimme Your Love" bekannt wurde

Die Lemonbabies fühlen sich ein wenig verlassen. Jetzt. Da die Stadt leer ist. "Na, so wie ich Euch kenne, habt Ihr inzwischen alle Ferien, aalt Euch in der Sonne oder reist mit dem Rucksack durch irgendein abenteuerliches Land", bedauern sie in ihrem Internet-Tagebuch. "Wir sind fast fertig mit den Aufnahmen für unser Album, morgen machen wir das letzte Stück, dann müssen wir das Album nur noch abmischen." Seit drei Monaten sind die vier Mädchen im Studio. Die ausgestorbenen Straßen im sommerlichen Berlin lassen die Sonderbarkeit ihres Treibens nur noch sonderbarer erscheinen. Jetzt, da sich die mühsame Arbeit dem Ende neigt, ist keiner mehr da, um sich das Ergebnis anzuhören.Natürlich sind Diane, Katy, Julia und Barbara keineswegs einsam. "Die Band funktioniert in mancher Hinsicht wie eine Familie", erklärt Katy. "Alleingelassen muß sich keine fühlen, es gibt immer drei Ansprechpartner. Wir sind gut genug miteinander befreundet, um einander aufzufangen, andererseits nicht so eng, dass wir einander die Luft zum Atmen nehmen würden." Aber ein wenig haben sie sich doch isoliert gefühlt und den Computer im Studio benutzt, um den Kontakt mit der Außenwelt nicht abreißen zu lassen. Täglich eine Botschaft an das Fan-Volk "da draußen", mit dem sie offenbar eine herzliche Freundschaft verbindet. Wir sind "Eure Lemonbabies", scheinen sie sagen zu wollen, "vergesst uns nicht".Bekannte Musikerinnen und Musiker haben oftmals Mühe, sich Fans und Verehrer vom Leib zu halten und sind doch auf sie angewiesen. Während ihrer anstrengenden Studioarbeit und langer Tourneen sind sie häufig von ihren Liebespartnern abgeschnitten. Sie sind gleichzeitig begehrt und über längere Zeit allein auf sich und die unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen gestellt.Die Uhr einer Band tickt anders. Sie tickt vor allem langsamer. Schleppend kriecht die Zeit dahin, weil im Inneren dieses feinnervigen, emotionalen Uhrwerks eigenartige Kräfte wirken, die andernorts bloß Chaos verursachen würden. Die Lemonbabies sind ein homogenes Gefüge mit eigenwilligen Charkteren: Diana, geborene Berlinerin und mit 25 Jahren die Band-Älteste, zählt zu den Gründungsmitgliedern und ist ein sprunghaftes Energiebündel. Katy, in Stuttgart geborene Keyboarderin, ist die soziale Instanz, diejenige, die die Übersicht behält, Probleme erkennt und zur Sprache bringt. Die Schlagzeugerin Julia, ebenfalls in Berlin geboren und von Anbeginn dabei, ist ein zurückhaltender Mensch. Sie sagt nicht viel, aber wenn sie es tut, bringt sie die Dinge auf den Punkt. Und schließlich das jüngste Bandmitglied Barbara, 21jährige Bassistin aus Berlin. Wenn sie lächelt, erinnert sie an die verschleierte Freundlichkeit Maria Schraders. Im Spannungsfeld dieser Frauen können sich Songs zu schlichter Schönheit entwickeln, indem sie sich erlauben, banal zu bleiben.Manchmal schauen sie als Band auf die gemeinsam verbrachte Zeit zurück und wundern sich über die verstrichenen Jahre. In ihrem Fall sind es schon zehn. Und jedes Jahr hat einen Charakter. 1991: Senatsrockwettbewerb gewonnen. 1993: Künstlervertrag mit der Sony-Tochter Dragnet. 1994: Debüt-CD und eine von VIVA präsentierte Frühjahrstour. 1995: Platte Nummer zwei "Pussy Pop" erscheint. Jahre, in denen keine Platte herauskam oder eine größere Tour absolviert wurde, wirken wie eine Gedächtnislücke. "Die Band wird immer wieder von Problemen überschattet, die eine von uns hat", erklärt Diane und Katy fügt hinzu: "Aber es besteht durchaus ein gewisser Leistungsdruck und es geht nicht, daß eine sich gehen läßt und ausruht, während die anderen schuften."Die Lemonbabies sind eine Band, die den großen Durchbruch immer gerade nicht geschafft hat. Dieses Schicksal teilen sie mit der sehr viel älteren Berliner Boygroup The Teens, die einst einen Hit ("Gimme, Gimme, Gimme Your Love") landete und kürzlich mit einem neuen Album wieder von sich reden machte.Für die Lemonbabies erwies sich der Künstlervertrag mit dem Marktriesen Sony als Fehlschlag und wurde nach drei Jahren wieder aufgelöst, der neue Partner, das Stuttgarter Label der Fantastischen Vier, "Four Music", geht zwar behutsamer mit ihnen um, doch der durchschlagende Erfolg ist auch der dritten Platte, "Porno", trotz wohlwollender Kritiken, nicht beschieden gewesen. "Frustrierend ist nicht", findet Julia, "daß wir es nicht geschafft haben, sondern wer es stattdessen geschafft hat. Wir haben uns mit jeder Platte ein Stück weiter entwickelt und sind nicht der Versuchung erlegen, den großen Hit durch einen Radikalschwenk herbeizuzwingen."Mit ihrem aufsehenerregenden Cover für "Porno", auf dem die vier Musikerinnen nackt, als weißliche, ineinander verschlungene Larven-Geschöpfe abgebildet waren, mussten sie den Vorwurf abwehren, sie hätten sich für ihre Platte ausgezogen, weil sie weder singen noch ihre Instrumente spielen können. "Ich sehe mich als Künstlerin, die eine gute Platte gemacht hat und sich deswegen ausziehen darf", erklärt Diane."Porno" war ein Seelenstriptease. Nicht nur als Band hatten die Lemonbabies durch den Wechsel von Management und Plattenfirma einen schwierigen Einschnitt erlebt. Auch sonst waren sie durch Beziehungskrisen gegangen, hatten sich von Freunden getrennt und wieder verliebt und ließen das Gefühls-Chaos von Glück und Niedergeschlagenheit in rührseligen Popsongs wiederauferstehen. Es seien ausnahmslos Texte, "die Tagebuch-Charakter besitzen", sagt Katy. "Wenn es weh tut, schreibt man die besten Lieder. Fast alle guten Herz-Schmerz-Lieder sind in düsteren Lebensphasen geschrieben worden." Und Diane ergänzt: "Mir kann auch niemand erzählen, daß Herz-Schmerz auf der Welt nicht gebraucht wird. Den Leuten, die unsere Texte für belanglos halten, entgegne ich: Ein Liebeslied kann niemals belanglos sein."Es mag irritieren, aber die Selbsterkundungen der Mädchen finden in englischer Sprache statt. Sie biete ihnen einerseits "Anonymität und Schutz", andererseits erlaube sie ihnen, mit Assoziationen zu spielen, die der Wortbedeutung ein breiteres Spektrum geben. Die deutsche Sprache ist ein zu scharfes Messer, um in Herznähe damit herumzuexperimentieren. "Und außerdem, hey", Diane fällt ein Gleichnis ein: "Das ist wie mit unseren Turnschuhen: Katy trägt das Original, ich die Fälschung. Aber beide sehen gut aus, sind bequem und erfüllen ihren Zweck. Also spielt es doch eigentlich keine Rolle." Die bisherigen Aufgaben An einem Haus, in dem Regisseur Ernst Lubitsch seine Kindheit in Berlin verbrachte, ist eine Gedenktafel für ihn angebracht. Nennen Sie die Adresse. Nennen Sie das Lieblingsgetränk im Single-Treff Café Keese. Nennen Sie den Namen der Frau, mit der Giacomo Casanova bei seinem letzten Berlin-Besuch eine Affäre hatte. Nennen Sie die männliche Hauptfigur in Friedrich Dürrenmatts Roman "Grieche sucht Griechin", die die berühmte Kontaktanzeige aufgegeben hat. Nennen Sie den Bezirk, in dem Dieter Kunzelmann zur Zeit lebt. In welchem Buch steht der Satz geschrieben: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei". Nennen Sie die Namen von mindestens zwei Flußpferden im Zoologischen Garten. So spielen Sie mitDer Tagesspiegel veröffentlicht vom 9. bis zum 22. August in 14 Folgen täglich eine Single-Memory-Aufgabe. Lösungen können Sie uns auf vier Wegen zukommen lassen:
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