Zeitung Heute : Die Bedeutung der „Rostlaube“ Leser fragen,

Experten antworten

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Felix Dresen aus Treptow möchte wissen, welche architektonische Bedeutung die Rostlaube in den 60er Jahren hatte. Vom Kunsthistorischen Institut antwortet ihm Prof. Dr. Harold HammerSchenk.

Mit der Rost- und Silberlaube sind Ideale modernen Bauens und Planens verbunden worden: Bebauung in der Natur, Vermeidung von hierarchischen Strukturen und Formen. Statt dessen ein flexibles Prinzip der Ordnung. Deswegen gewannen 1963 die Architekten Candilis, Josic und Woods in dem städtebaulichen Wettbewerb den ersten Preis für ihren Entwurf. Für 5000 Studenten der Geisteswissenschaft und der Chemie sollten die Architekten Hörsäle, Seminarräume, Bibliotheken, Labors sowie Büros für die Professoren konstruieren. Das erforderte Infrastrukturen und Ideen: Denn eine neue Universität brauchte ein System, das sich neuen Bedingungen anpassen konnte. Aus den Ideen wurde der Bauplan: Teppichbebauung mit Maßsystem. Teppichbebauung ist eine netzartige Bebauung. Ähnlich einem Puzzle wird ein Stück an das andere gefügt. Bei Bedarf ließe sich die Rost- und Silberlaube unbegrenzt erweitern.

Um die Flexibilität auch in der Gestaltung beizubehalten wurden die alle Teile aus einem Stahlskelett gefertigt. Dadurch kann die Rostlaube zerlegt und variiert werden. Auch heute besteht die Möglichkeit, Bauteile zu demontieren, wieder zu verwerten und natürlich anzubauen. Die Erweiterungsidee wird anhand offener Gebäudeseiten wie in der Fabeckstraße gezeigt. Oder auch anhand der drei Hauptstraßen innerhalb des Gebäudes. Ihre Namen „J, K und L“ wurden bewusst mitten aus dem Alphabet gewählt, um sich Anschlussmöglichkeiten offenzuhalten. Die Architekten planten Hörsäle, Cafeteria und Büros für die Hauptstraßen, während „Studierstuben“ und Bibliotheken für die zahlreichen Querstraßen gedacht waren.

Die Außenhaut ist übrigens nicht „aus Versehen“ verrostet. Der benutzte „Corten-Stahl“ hat die Eigenschaft, bis zu einer gewissen Schicht anzurosten. Dieser Rost gibt dem Stahl eigentlich eine Art Patina, die ihn besser als jeder Anstrich vor weiterem Verfall schützt. So der Plan. Doch die Stahlplatten rosteten tiefer als vorgesehen und zahlreiche Sanierungen waren nötig. Der nächste Gebäudeteil wurde darum mit Aluminiumplatten verkleidet – die Silberlaube.

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