Zeitung Heute : DIE BERLINER: ELEGANT, HOCHWERTIG UND DURCHAUS SELBSTBEWUSST

Wie wäre die Fashion Week ohne die Berliner Modemacher? Ganz schön öde. Immerhin elf der 18 Schauen wurden von hiesigen Designern bestritten. Deshalb ist es auch kein Lippenbekenntnis, wenn der Veranstalter, die Eventagentur IMG, verkündet, dass Berlin nur funktioniert, wenn möglichst viele Designer der jungen Berliner Avantgarde zeigen.

Den Anfang machten am Montag die vier Kandidaten für den Karstadt New Generation Award: Pulver, Mongrels in Common, q.e.d. und Miroike. Dass q.e.d. mit seiner schwarz-weißen Männerkollektion gewann, war überraschend. Viele Zuschauer hatten das Berliner Designerduo Mongrels in Common favorisiert, die weite Hosen mit weiblich hoher Taille, korallenfarbene Kleider und weiche Lederjacken zeigten.

In der vergangenen Saison gehörte Meike Vollmer zu den Teilnehmerinnen des Wettbewerbs, diesmal präsentierte sie ihr Label Macqua zum ersten Mal mit einer eigenen Schau auf der Fashion Week und zeigte ihre Herbst/Winter-Kollektion 2008. Elegant, aber nicht überladen wirkten die schlammfarbenen, schokobraunen und schwarzen Roben, Blusenkleider, Overalls, Jacken und Mäntel – ab und zu aufgemischt von metallisch glänzenden Stoffen und Fell. Durch die weichen Kontraste der Materialien und die Varianten aus körperbetonten Schnitten mit Fledermausärmeln, drapierten Krägen oder voluminösen Miniröcken ergab sich eine feminine, aber junge Kollektion, die dem internationalen Fachpublikum zum Teil sogar ein wenig zu klassisch daherkam. Sie hatten von der Berliner Designerin wohl noch Außergewöhnlicheres erwartet. Dennoch gab es tosenden Applaus – weit mehr als Viktoria Strehle am Vortag für die Präsentation der Strenesse Blue Kollektion bekommen hatte. Macqua überzeugte mit tragbaren Stücken – von klassisch femininen Trenchcoats mit liebevollen Details bis hin zu samtig-seidigen Abendroben.

Als zweite Berliner Designerin gab Carolin Sinemus ihr Showdebüt unter eigenem Namen. Bekannt geworden mit dem Label Sisi Wasabi an der Seite von Zerlina von der Bussche, zeigte sie am Postbahnhof die erste Kollektion ihres Labels Sinemus, das sie nach der Trennung von der Geschäftspartnerin im Jahr 2006 gegründet hatte. Beim Anblick der nachtblauen Kaschmirkreationen, kombiniert mir cremefarbenener Seide und schwarzem Brokat, wurde klar, dass Sinemus aufwendig verarbeitete High-End-Mode macht – mit teuren Stoffen und eleganten Schnitten. Die weit ausgestellten, knielangen Röcke und großzügig, aber geradlinig geschnittenen Jacken und Capes erinnerten an die klassische Eleganz der fünfziger Jahre. Darunter mischten sich Seidenkleider mit Kaftanärmeln und voluminöse Tops mit U-Boot-Ausschnitt sowie spektakuläre Kreationen aus Spitze.

Das Label Sisi Wasabi wird nun alleine von Zerlina von der Bussche weitergeführt. Sie lud in ihren temporären Shop Unter den Linden, wo auf den ersten Blick zu sehen war: Hier zeigt jemand, der gelernt hat, sich auf seine Handschrift zu verlassen und nicht mehr versucht, möglichst viele Details in einem Kleidungsstück zu verarbeiten. Die für Sisi Wasabi typischen Trachtenelemente schimmerten nur noch vereinzelt durch, zum Beispiel als Rautenmuster, mal plastisch gesmokt, mal nur aufgedruckt.

Erstmals präsentierte auch das Designerduo Unrath & Strano in der Hauptstadt seine Mode. Nicht zu Unrecht sind die beiden für ihre pompösen Abendroben bekannt: Ein ganz und gar mit Perlen und Pailetten besticktes bodenlanges Kleid mit tiefem Rückenausschnitt gehörte zu den besten Stücken.

Dass in Berlin eine auch international ernst zu nehmende Modeszene entsteht, ist eins der besten Ergebnisse dieser Fashion Week. So fasste es die Designerin Bernadette Penkov zusammen, die vom Art Deko inspirierte, wunderbar stimmige Entwürfe zeigte: „Irgendwann will man einfach nicht mehr Nachwuchsdesigner genannt werden.“

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