Zeitung Heute : Die Berliner Medienwirtschaft und die Koalitionsvereinbarung - Interview mit Thomas Heilmann

Noch keine Koalitionsvereinbarung hat sich so ausf

Thomas Heilmann(32) ist geschäftsführender Gesellschafter der Werbeagentur Scholz & Friends und der Sprecher des Medienforums der IHK Berlin. Das Medienforum vertritt Branchen-Unternehmen von Fernsehen bis Internet.

Noch keine Koalitionsvereinbarung hat sich so ausführlich mit dem Komplex Medien beschäftigt wie die gerade aufgelegte Agenda von CDU und SPD. Trotzdem hört man unwilliges Grummeln aus der Berliner Medienwirtschaft. Was sind die Kritikpunkte?

Wir sind überhaupt nicht unwillig, im Gegenteil: gerade auf Initiative der IHK ist in den letzten Monaten vieles gut vorangekommen. Die Koalitionsvereinbarung zeigt das ja auch. Allerdings ist der Wettbewerb in diesem Markt sehr hart. Wenn Berlin seine Position ausbauen will, muß halt noch mehr passieren. Wir müssen schneller werden, wir müssen als Stadt bei den Entscheidungen innerhalb dieser großen Branche stärker beteiligt sein und wir müssen unsere Vorteile, insbesondere die Vielzahl der Talente in Berlin, laut kommunizieren. Der Senat ist - glaube ich - mit uns einig, die Initiative "Capital of talent" unterstützt er. Aber für wirklichen Erfolg gibt es noch viel zu tun.

Ein Medienbeauftragter aus der Medienwirtschaft wird verlangt, am besten einer wie Helmut Thoma für Nordrhein-Westfalen. Fiele Ihnen eine Persönlichkeit ein?

Mir fallen manche Namen ein. Erst brauchen wir aber die Entscheidung, dass es die Position geben wird.

Welche Kompetenzen müsste der Medienbeauftragte haben, wo müsste er ressortieren?

Er muss direkten Zugang zum Regierenden Bürgermeister haben. In Bayern kümmert sich Herr Stoiber persönlich sehr intensiv und auch in NRW sitzt Herr Thoma direkt bei Herrn Clement.

Im Koalitionspapier wird die Gründung einer "Medienagentur" angekündigt, einer Institution also, die die verzweigten Kompetenzen für "Medien und Kommunikation" innerhalb der Senatsverwaltung konzentrieren soll. Wie müssten Struktur und Aufgaben einer solchen "Medienagentur" aussehen?

Das ist ein guter Vorschlag aus Brandenburg. Er macht allerdings nur Sinn, wenn diese Agentur einen klaren Vermarktungsauftrag und das entsprechende Geld bekommt. Eine Agentur als Posteingangsstelle zum Senat würde nur zusätzliche Bürokratie schaffen. Der Zugang zum Senat muss über das Büro des Medienbeauftragten laufen und bei Förderanträgen über die Wirtschaftsförderung. Fördermittel sind aber nicht das Entscheidende in unserem Markt.

Berlin steht in hartem Wettbewerb mit den Standorten Hamburg, Köln und München. Aktuell wird befürchtet, dass im Falle einer Ferneh-Holding der KirchMedia AG der Berliner Privatsender Sat 1 nach Unterföhring zum Kirch-Stammsitz verlagert würde. Ist die Berliner Medienpolitik für solche Herausforderungen gewappnet?

Die Gründung einer Free-TV-Holding von Kirch kann sich ungünstig auf Berlin auswirken. Die Sendeabwicklung von Sat 1 geht schon nach München statt nach Berlin. Bei den Online-Aktivitäten sehe ich eine Konzentration dort kommen. Wenn wir darauf als Stadt überhaupt Einfluß nehmen wollen, dann muss es ein entsprechendes Frühwarnsystem geben. Und die Senatsspitze muß sich dann einschalten. So gesehen, bedauern wir, dass die Justiz jetzt auch noch zum Regierenden Bürgermeister gegangen ist. Das nimmt dort Aufmerksamkeit für die Wachstumschancen unserer Branche.

Können Sie bestätigen, dass beim Musiksender MTV, der Hamburg verlassen wird, jede Menge Ansiedlungs-Offerten eingegangen sind - aber keine aus Berlin?

Das hat mir die MTV-Führung auch berichtet. Ich war nicht dabei. Deswegen kann ich über das Warum nichts sagen.

Die Medienwirtschaft in Berlin wächst. Zugleich, so mein Eindruck, wachsen Ansprüche und Larmoyanz der Branche gegenüber der Medienpolitik. Wie groß ist der Wunsch, bevorzugtes Hätschelkind zu sein?

Larmoyanz ist ganz falsch. Den Unternehmen hier geht es auch ohne Hätscheln sehr gut. Und so etwas hilft ja auch gar nicht. Wir weisen nur darauf hin, dass nicht entschieden ist, wo das zukünftige Wachstum hingeht. Wenn wir es richtig machen, kriegt Berlin 30 000 neue Arbeitsplätze. Und darum sollte sich die Politik so gut es geht kümmern. Beim Ziel sind wir uns einig. Beim Weg bringt jeder Fortschritt zusätzliche Arbeitsplätze. Der Teufel steckt im Detail. Da ist man nie perfekt.Das Interview führte Joachim Huber

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