Zeitung Heute : Die Berliner Stadtmusikanten Wer macht die Musik auf unseren Straßen?

Ein winterlicher Soundcheck.

Aufzeichnung: Ulf Lippitz

NOSTALGISCH: Klaus Pieth, 43

Leierkastenmann ist für mich kein Beruf, sondern eine Berufung. Ich spiele schon in der dritten Generation. Vor etwa acht Jahren fing ich an, mich auf öffentliche Plätze zu stellen und zu musizieren. Dazu gehört ein gewisser Mut. Man setzt sich ja einfach den Leuten aus. Der Wille, ihnen etwas zu geben, muss größer sein als die Angst. So richtig Geld kann man mit dem Orgeln nämlich nicht verdienen. Die Wartung ist wahnsinnig teuer. Deswegen tue ich das nur in meiner Freizeit. Unter der Woche arbeite ich für die BVG in der Werkstatt. An besonderen Ereignissen wie der Grünen Woche nehme ich mir ein paar Tage frei. Das Outfit habe ich mir selbst zusammengesucht: Die Melone ist richtig alt. Dieser schwarze Mantel mit den goldenen Knöpfen ist noch von den BVB - früher hieß das ja noch nicht BVG. Als ich einmal am Roseneck stand, kam Rolf Eden vorbei, legte einen Schein auf die Orgel und sagte: Toll! Ansonsten kommen meine Zuhörer eher aus der unteren oder mittleren Schicht. Wenn ich die „Berliner Luft“ spiele oder „Kreuzberger Nächte sind lang", kann jeder mitsingen. Das sind richtige Hits. Mir persönlich gefällt der „Radetzkymarsch“ ganz gut – aber auch „Schwarzbraun ist die Haselnuss“. Das hat nostalgische Gründe: Das war das erste Lied, das ich öffentlich georgelt habe.

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