Zeitung Heute : Die Beste zum Schluss

Claudia Pechstein hat einen Tag nach ihrem 30. Geburtstag olympische Geschichte geschrieben. Die Berliner stürmte in der Weltrekordzeit von 6:46,91 Minuten zur dritten Goldmedaille in Folge über 5000 m. Elf Tage nach ihrem Triumph über 3000 m lief Claudia Pechstein zu ihrem zweiten Olympiasieg bei den Winterspielen von Salt Lake City und stieg mit insgesamt vier Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen zur erfolgreichsten deutschen Wintersportlerin aller Zeiten auf.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Anni Friesinger spielte bei der Entscheidung keine Rolle. Angefeuert von Bundespräsident Johannes Rau und zahlreichen deutschen Olympia-Stars wie Georg Hackl, versuchte die Mehrkampf-Weltmeisterin aus Inzell im letzten Paar, die Bestzeit von Pechstein noch zu unterbieten. Dafür aber fehlte ihr drei Tage nach ihrem Olympiasieg über 1500 m offensichtlich die Kraft. Anni Friesinger kam auf 6:58,39 Minuten und musste sich mit Platz sechs begnügen. Sie blieb mit dieser persönlichen Bestzeit als dritte Deutsche nach Pechstein und Niemann-Stirnemann unter der 7-Minuten-Schallmauer. Zuvor hatte ihr Trainer Markus Eicher prognostiziert: "Wer als letzter auf das Eis geht, gewinnt."

Die favorisierten deutschen Damen mussten gleich im ersten Laufpaar einen Schock hinnehmen, als die 26 Jahre alte Holländerin Gretha Smit bei ihrem Olympia-Debüt den ein Jahr alten Weltrekord von Gunda Niemann-Stirnemann um 3,22 Sekunden unterbot. Die entthronte Rekordinhaberin reagierte geschockt: "Wow, ich gucke hoch, sehe die Zeit - das ist der absolute Hammer", sagte ZDF-Expertin Gunda Niemann-Stirnemann, die wegen ihrer Schwangerschaft die Spiele nur vom Bahnrand aus verfolgte. "Ich hatte mir keine bestimmte Zeit vorgenommen und wusste nicht, wo zu ich in der Lage bin", sagte Smit, die bei der letztmals 1997 ausgetragenen legendären Elfstedentocht über mehr als 200 Kilometer auf zugefrorenen Natur-Eiskanälen durch elf friesische Städte als damals 21-Jährige überraschend den zweiten Platz belegt hatte.

Claudia Pechstein aber ließ sich nicht irritieren und schlug zurück. Nachdem sie zur Hälfte des Rennens noch über der Durchgangszeit der Holländerin gelegen hatte, lieferte sie drei starke Schkussrunden ab und jagte Smit die Bestleistung ab. Pechsteins Goldmedaille brachte Deutschland in der separaten Olympia-Wertung der Eisschnelllauf-Wettbewerbe hinter den Niederlanden (3/5/0) mit drei Gold-, drei Silber- und drei Bronzemedaillen auf Platz zwei vor den USA (3/1/4). Damit waren die deutschen Eis-Asse weit erfolgreicher als in Hamar 1994 und Nagano 1998.

Claudia Pechsteins Weltrekord war im zehnten Olympia-Rennen die achte Bestmarke auf dem Utah Olympic Oval. Damit wurde selbst die Rekordbilanz von Calgary übertroffen, wo 1988 sieben Weltrekorde gepurzelt waren.

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